Samstag, 17. November 2012

Das wahre Leid der Palästinenser

Faszination Nahostkonflikt: Während palästinensische Raketen auf israelisches Staatsgebiet, allein in diesem Jahr übrigens 800, eine eher sedierende Wirkung beim deutsche Publikum entfalten, so genügt schon eine israelische Rakete, um hierzulande die gleiche Reaktion zu verursachen, die bei Hugh Hefner nach der Einnahme von Viagra entsteht. Maximale Erregung allerorts, in Kommentarspalten, auf spontan einberufenen Demos und in Redaktionsstuben.

So auch dieser Tage, da anlässlich der israelischen Militäroperation gegen die Hamas die Sorge um eine „neue Spirale der Gewalt“ rasant wächst. Dass Israel doch tatsächlich ein Recht auf Selbstverteidigung hat, die Angriffe sich ausschließlich gegen Massenmörder und Terroristen richten und zudem als Reaktion auf permanenten Raketenbeschuss aus Gaza zu betrachten sind, tut bei der hiesigen Ursachenforschung (kurz: Der Jude ist schuld) natürlich nichts zur Sache. Und auch an dieser Stelle soll es um einen anderen Punkt gehen, der den Deutschen sehr am Herzen liegt: das unendliche Leid der Palästinenser.

Blutorden und Blasmusik

"Unpolitische Volksmusik, die demokratische Partei CSU und der Nationalsozialismus: Aktuell ergibt dieses Dreigestirn ein recht befremdliches Bild, das wenig Gaudi für die Christsozialen verspricht. Denn wie sich jetzt herausgestellt hat, finanzierte und veranstaltete die parteinahe Hanns-Seidel-Stiftung ein urbayerisches Event, das ohne die Ideen und das Geld überzeugter Nationalsozialisten so nicht zustande gekommen wäre."

Weiter geht's zu meinem Kommentar in der "Jüdischen Allgemeinen".

Sonntag, 11. November 2012

Wir sind Obama!

Nun, da Präsident Obama weitere vier Jahre im Weißen Haus residieren wird, sind die Deutschen völlig aus dem Häuschen. Die Obama-Mania, eine besondere Form der Euphorie – sie schäumt förmlich über. Sie ergreift sowohl Berlin als auch Buxtehude und zaubert nahezu jedem, vom Studenten bis zum Rentner, ein entzücktes Lächeln ins Gesicht. Hach, was ist das schön! Schöner als Weihnachten, Sonderangebote bei Karstadt und eine Doppelhaushälfte im Grünen zusammen. Jubel, Trubel, Einigkeit anlässlich der Tatsache, dass in den USA erneut ein Mann Präsident wurde, den auch 90 Prozent der Deutschen gewählt hätten – was übrigens nordkoreanischen Verhältnissen entsprochen hätte, aber lassen wir das. Erst waren wir Papst, nun sind wir Obama!

Sonntag, 4. November 2012

Der ganz normale Wahnsinn



Im Grunde habe ich ein Herz für Leserbriefschreiber und artverwandte Wesen. Für die einen, die es bei Komplimenten, Heiratsanträgen und knappem Feedback  belassen, mehr. Für die anderen, die mit geistiger Diarrhoe auf sich aufmerksam machen, weniger. Obwohl es, zugegeben, ohne solche Geisterfahrer auch langweilig wäre. Und dann gibt es natürlich noch Exemplare, die sich streng genommen keiner der beiden Kategorien zuordnen lassen. Das sind die, die keinen Friseur haben. Einsame Seelen, unterbeschäftigte Rentner, Männer mit stark ausgeprägter Midlifecrisis und „entrechtete“ Väter beispielsweise. Ihren Tätigkeitsschwerpunkt haben sie längst in die Postfächer fremder Leute verlagert, wo sie selbstverständlich kostenlose und unkomplizierte Gesprächstherapie erwarten. Oder eher massiv einfordern. Denn sobald der Leserbriefschreiber eine höfliche Standard-Antwort empfangen hat, kommt er erst richtig in Fahrt. 

"If I can do it, anyone can do it!"

„Are you kidding me? Never ever in my life“, entfährt es ihm, während er sorgsam den Milchschaum auf den heißen Kaffee drapiert und so zum Cappuccino befördert. Sehnsucht habe er schon lange nicht mehr, bekräftigt er nochmals, hier sei er absolut glücklich – als Antwort auf die Frage, ob er denn die USA irgendwann wieder gegen sein Heimatland eintauschen wolle. Höchstens seine Familie, ja, die vermisst er manchmal ein wenig. „But I’m American now, you know“, fügt er lächelnd hinzu. Und darauf ist der Mann, der vor über zehn Jahren aus seiner türkischen Heimat Antalya ohne Geld, dafür aber mit Greencard, nach San Francisco kam und nun im eigenen Café seine Gäste mit Sandwiches versorgt, mächtig stolz.