Mittwoch, 27. August 2014

Gordon Gekko am Wühltisch

Gut, ich hätte es vorher wissen können. Tatsächlich war es kein kluger Plan, am 28.11.2013, dem Freitag nach Thanksgiving, die Westfield Shopping Mall im Herzen San Franciscos zu betreten. Eigentlich wollte ich mir dort nur eine Cola besorgen, doch dann kam alles viel schlimmer. Denn zur gleichen Zeit wurde landesweit der „Black Friday“ zelebriert: Der Tag, an dem traditionell schon vor Sonnenaufgang Völkerwanderungen in Richtung Innenstadt stattfinden, um dort ein wichtiges Ritual zu vollziehen: Schnäppchenjagd. Black Friday bedeutet nichts anderes als landesübergreifender „Sale“.

Daneben läutet er auch die fünfte Jahreszeit ein, nämlich das organisierte Christmas-Shopping. Jesus wäre wohl wenig erfreut über das, was die Menschheit anlässlich seines Geburtstags so treibt. Denn was mir spätestens eine Sekunde nach Betreten des Shoppingtempels entgegenschlug, war von christlicher Nächstenliebe weit entfernt.

Sonntag, 17. August 2014

In eigener Sache: Der Preis ist (sc)heiß

Ich habe wirklich viel Verständnis für Menschen mit ausgeprägter Sinnkrise. Das gilt auch für diejenigen, die meinen, sie wären mit ihrem Problem bei mir an der richtigen Adresse. Teil ihres Krankheitsbilds scheint zu sein, mir entweder skurrile Emails zu schreiben oder sich anderweitig an mir abzuarbeiten.  

Einige dieser Groupies befällt irgendwann die Langeweile. Statt sich einen fähigen Psychiater zu suchen, machen sie sich vermutlich auf zu ihrem nächsten Objekt der Begierde, von dem sie sich mehr Zuneigung erhoffen. Es gibt allerdings auch Härtefälle, die Ignoranz und Funkstille für eine besondere Art meiner Wertschätzung halten und unbeirrt weitermachen. Auch ihnen verschaffe ich normalerweise nicht das Vergnügen, von mir beachtet oder gar öffentlich erwähnt zu werden. Bei einem dieser Exemplare muss ich jedoch eine Ausnahme machen, da es nun endgültig den Gipfel des Irrsinn erfolgreich erklommen hat.

Mittwoch, 6. August 2014

Israelkritik als nationales Kulturerbe, Volkssport und Grundrecht

Mit der Zivilcourage verhält es sich ein wenig wie mit Gott: Sie ist praktisch nie da, wenn man sie einmal braucht.

Beim Antisemitismus ist es dagegen etwas komplizierter: Er ist immer da, auch wenn ihn niemand benötigt. Nicht die Juden, und schon gar nicht die Deutschen, die es ihren jüdischen Mitbürgern übel nehmen, sobald sie gelegentlich an dessen Existenz erinnern. Nur so wird klar, warum sich die Suche nach der Stimme erhebenden Zivilgesellschaft, die derzeit vor allem von Joachim Gauck, Dieter Graumann und Charlotte Knobloch betrieben wird, durchaus kompliziert gestaltet. Denn die zivile, mediale und politische Klasse ist ihnen schon längst einen Schritt voraus. Sie erhebt zwar durchaus ihre Stimme – allerdings bevorzugt gegen Islamophobie genauso wie gegen Israel. Und das aus guten Gründen.

Samstag, 26. Juli 2014

Wahnkranke und solche, die es werden wollen

Die Bundesrepublik atmet auf. Sie hat gerade noch Glück gehabt. Denn fast sah es so aus, als hätte sich das Land zum ersten Mal seit siebzig Jahren wieder ein Antisemitismus-Problem eingehandelt. „Jude Jude feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein“ hieß es zum Beispiel in Berlin, „Hamas, Hamas, Juden ins Gas“ in einigen anderen Städten, wo derzeit vor allem Besitzer eines Migrationshintergrunds auf der Straße für ein freies Palästina kämpfen.

Das ging anscheinend zu weit. Denn anders als bei Zionisten versteht das Land, das sich in puncto Antisemitismus-Bekämpfung einen Namen gemacht hat, bei Juden keinen Spaß. Darum gibt es jetzt in der Hauptstadt der Nie-Wieder-Nation eine Auflage, wonach das Herauskommen von Juden in genau dieser Satzkonstellation bei Demonstrationen nicht mehr gefordert werden darf.

Und ein paar Straßen weiter sind sich Thomas de Maizière, Frank-Walter Steinmeier, Joachim Gauck und auch Angela Merkel einig: Antisemitismus hat in Deutschland keinen Platz.

Damit wurde das Antisemitismus-Problem in letzter Sekunde bravourös beseitigt. Ab sofort möge der Mob also differenzieren und darauf achten, nicht mehr die Vergasung hiesiger Juden, sondern nur noch die Vernichtung von Juden mit einem eigenen Staat zu fordern. Kippa-Träger können wieder entspannt auf die Straße gehen, solange sie ihrem Angreifer noch rechtzeitig mitteilen, wie sie es mit dem Judenstaat halten.

Montag, 14. Juli 2014

Eins zu null für die Hamas

Wann immer Israel mit gezielten Gegenschlägen auf Liebesgrüße aus Gaza antwortet, darf eines nicht fehlen: Floskeln. Von jeglichem Sinn befreite Floskeln natürlich, die fest zum Inventar jedes anständigen Nahostexperten gehören und bei Bedarf zuverlässig recyclet werden können. „Gewaltspiralen“ zählen dazu, genauso wie Drohungen bis hin zu Eskalationen made in Israel. Ein besonders schönes Bonmot ist aber das von den „Verlierern auf beiden Seiten“. Es entfaltet vor allem dann seine Wirkung, sobald es von in schusssicheren Westen verpackten Nahostkorrespondenten live aus Tel Aviv mit betroffener Miene vorgetragen wird. Es duftet herrlich moralisch mit einer Note Weisheit – gleichzeitig ist es so wenig überzeugend, dass es vermutlich nicht einmal den „Faktencheck“ bei Frank Plasberg unbeschadet überleben würde.

Denn wer tatsächlich die Bilanz zwischen Gewinnen und Verlusten ziehen will, sollte zunächst sicherstellen, dass beide Seiten die gleichen Zahlungsmittel verwenden. Während Israel menschliches Leben als höchsten Wert betrachtet, den es unter allen Umständen zu schützen gilt (Wo sonst lässt man für einen Soldaten über 1000 Terroristen laufen?), praktiziert die Hamas das exakte Gegenteil.

Mittwoch, 9. Juli 2014

Deutsche Medien und Siedlerkinder

Die deutsche Nahostberichterstattung beruht auf zwei goldenen Regeln. Erstens: Israel ist immer schuld. Zweitens: Sollte Israel ausnahmsweise weniger schuld als üblich sein, ist so lange Fantasie gefragt, bis Regel Nummer eins in Kraft tritt. Insofern dürfte die Entführung der drei israelischen Teenager durchaus eine Herausforderung für jeden ordentlichen Medienmacher gewesen sein. Denn wenn Jugendliche gekidnappt und ermordet werden – und zwar nur, weil sie Juden waren –, braucht es schon ein wenig mehr Aufwand, um den Israeli zum Täter zu befördern.

Die deutschen Medien haben jedoch auch diese Aufgabe bravourös gemeistert. Zunächst wurden aus unschuldigen Jungs verdächtige »Siedlerkinder«, die qua Wohnort ohnehin eine Teilschuld treffe. Mal waren sie »verschwunden«, mal »vermisst« oder gar »verschollen« – ganz so, als wären sie einfach irgendwo verloren gegangen. Entführt waren sie indes eher selten. Allerhöchstens »mutmaßlich« entführt, man will ja bloß nicht vorverurteilen.

Es ist nicht alles schlecht im Zweistromland

Allmählich wird es eng für Vollzeit-Pazifisten und Teilzeit-Käßmannisten. Von Nigeria und Kenia über Gaza bis hin nach Kabul bringt sich mittlerweile jede sadistisch veranlagte Gestalt in Stellung, die bislang noch nicht zum Zug gekommen ist. Die Frage, ob man da mit Boko Haram, Hamas oder doch wie gewohnt den Taliban beten soll, ist keineswegs leicht zu beantworten.

Seit Kurzem gibt es jedoch wieder Hoffnung. Denn zwischen Raqqa und Mossul, inmitten des Zweistromlands, keimt nun wahre Menschlichkeit auf. So zumindest entwarnt die Süddeutsche Zeitung, deren Leser sich bei Bedarf über „Terror und Verbraucherschutz“ aus dem Hause ISIS informieren können.