Montag, 14. Juli 2014

Eins zu null für die Hamas

Wann immer Israel mit gezielten Gegenschlägen auf Liebesgrüße aus Gaza antwortet, darf eines nicht fehlen: Floskeln. Von jeglichem Sinn befreite Floskeln natürlich, die fest zum Inventar jedes anständigen Nahostexperten gehören und bei Bedarf zuverlässig recyclet werden können. „Gewaltspiralen“ zählen dazu, genauso wie Drohungen bis hin zu Eskalationen made in Israel. Ein besonders schönes Bonmot ist aber das von den „Verlierern auf beiden Seiten“. Es entfaltet vor allem dann seine Wirkung, sobald es von in schusssicheren Westen verpackten Nahostkorrespondenten live aus Tel Aviv mit betroffener Miene vorgetragen wird. Es duftet herrlich moralisch mit einer Note Weisheit – gleichzeitig ist es so wenig überzeugend, dass es vermutlich nicht einmal den „Faktencheck“ bei Frank Plasberg unbeschadet überleben würde.

Denn wer tatsächlich die Bilanz zwischen Gewinnen und Verlusten ziehen will, sollte zunächst sicherstellen, dass beide Seiten die gleichen Zahlungsmittel verwenden. Während Israel menschliches Leben als höchsten Wert betrachtet, den es unter allen Umständen zu schützen gilt (Wo sonst lässt man für einen Soldaten über 1000 Terroristen laufen?), praktiziert die Hamas das exakte Gegenteil.

Mittwoch, 9. Juli 2014

Deutsche Medien und Siedlerkinder

Die deutsche Nahostberichterstattung beruht auf zwei goldenen Regeln. Erstens: Israel ist immer schuld. Zweitens: Sollte Israel ausnahmsweise weniger schuld als üblich sein, ist so lange Fantasie gefragt, bis Regel Nummer eins in Kraft tritt. Insofern dürfte die Entführung der drei israelischen Teenager durchaus eine Herausforderung für jeden ordentlichen Medienmacher gewesen sein. Denn wenn Jugendliche gekidnappt und ermordet werden – und zwar nur, weil sie Juden waren –, braucht es schon ein wenig mehr Aufwand, um den Israeli zum Täter zu befördern.

Die deutschen Medien haben jedoch auch diese Aufgabe bravourös gemeistert. Zunächst wurden aus unschuldigen Jungs verdächtige »Siedlerkinder«, die qua Wohnort ohnehin eine Teilschuld treffe. Mal waren sie »verschwunden«, mal »vermisst« oder gar »verschollen« – ganz so, als wären sie einfach irgendwo verloren gegangen. Entführt waren sie indes eher selten. Allerhöchstens »mutmaßlich« entführt, man will ja bloß nicht vorverurteilen.

Es ist nicht alles schlecht im Zweistromland

Allmählich wird es eng für Vollzeit-Pazifisten und Teilzeit-Käßmannisten. Von Nigeria und Kenia über Gaza bis hin nach Kabul bringt sich mittlerweile jede sadistisch veranlagte Gestalt in Stellung, die bislang noch nicht zum Zug gekommen ist. Die Frage, ob man da mit Boko Haram, Hamas oder doch wie gewohnt den Taliban beten soll, ist keineswegs leicht zu beantworten.

Seit Kurzem gibt es jedoch wieder Hoffnung. Denn zwischen Raqqa und Mossul, inmitten des Zweistromlands, keimt nun wahre Menschlichkeit auf. So zumindest entwarnt die Süddeutsche Zeitung, deren Leser sich bei Bedarf über „Terror und Verbraucherschutz“ aus dem Hause ISIS informieren können.

Comeback einer Hochstaplerin

Stellen Sie sich vor, Sie werden zu einem musisch-literarischen Abend in gepflegtem Ambiente eingeladen. Auf dem Programm stehen sowohl klassische Musik als auch zwei Autoren, die für intellektuelles Flair sorgen. Stellen Sie sich weiterhin vor, dass die Veranstaltung im Namen der Völkerverständigung stattfindet und so nicht nur die Kunst alleine im Mittelpunkt steht, sondern gewissermaßen auch der Frieden im Nahen Osten. Sie sind gespannt und voller Vorfreude, Sie erwarten Kompetenz und Kunst in einem für gerade mal 15 Euro Eintritt.

Dort angekommen, werden Sie jedoch nicht vom Nahost-Korrespondenten der ARD, dem ehemaligen Gesandten Israels in Bonn oder wenigstens dem Vorsitzenden des Zentralrats der Juden empfangen. Stattdessen begrüßt sie ein Journalist palästinensischer Herkunft, der seinen Lesern gerne mal von einem Israel berichtet, das „bisher kompromisslos darauf orientiert ist,  ganz Palästina exklusiv für sich zu behalten und keinen Bruchteil für die palästinensischen Ureinwohner übrig zu lassen“.

Sonntag, 9. März 2014

Achtung: Zocken schadet Ihrer Gesundheit!

Voller Spannung und mit der Feder im Anschlag blickt die deutsche Medienwelt gen München, wo am Montag der Prozess gegen Uli Hoeneß beginnt. Dass der eine oder andere Redakteur sich schon mal warmläuft, ist absolut verständlich. Bei „Spiegel Online“, der Heimat der eierlegenden Wollmilchsau, geschieht dagegen noch mehr. Überpünktlich zum Prozessauftakt schickt man dort schon heute das stärkste Pferd ins Rennen: Nina Weber, Biochemikerin und Krimiautorin sowie Redakteurin im Ressort Gesundheit.

„Tipps und Tricks für Allergiker“, „Neues aus der Krebsforschung“ oder „Volkskrankheit Burnout“ waren gestern. Heute hingegen entdeckt das Ressort sein Herz für Börsenzocker und behandelt deren Leiden. In einem bedingt aufschlussreichen Stück beleuchtet Frau Weber mit der Präzision eines Gehirnchirurgen das Thema „Börsenspekulation als Sucht“ – verbunden mit der Frage, ob Aktienhandel süchtig machen kann, worin sich „Experten“ freilich einig sind.

Sonntag, 14. Juli 2013

Bitte beachten Sie mich nicht!

Achtung, verehrte Leserinnen und Leser: Dies ist nicht nur meine 81., sondern auch meine letzte Kolumne für The European. Und für diejenigen, die das erst jetzt erfahren, folglich in gerade diesem Moment erleichtert „Endlich!“ seufzen und umgehend die Korken knallen lassen werden, tut es mir fast schon leid, Sie an diesem Freitag ein weiteres Mal zu quälen. Aber da müssen Sie nun durch – bleiben Sie stark, bald ist es überstanden.

Um Ihnen das Finale allerdings so angenehm wie möglich zu gestalten, habe ich mir ein besonderes Thema ausgesucht. Eines, das Ihren Blutdruck sicherlich nicht überstrapazieren wird (hoffe ich zumindest). Nein, an dieser Stelle soll es um etwas Schönes gehen. Nämlich um Sie. Ja, genau, um Sie, die geschätzte Leserin und den werten Leser, besonders aber um die edle Riege der Leserbriefschreiber.

Sonntag, 7. Juli 2013

Bekenntnisse einer Magistra Artium


Meine Stammleser werden sie schon kennen, neu Hinzugekommene sollten sie dagegen dringend kennen lernen. Die Rede ist von Christiane Schuricht aus Hannover, eine der lustigsten Figuren aus meinem sich an mir abarbeitenden Kuriositätenkabinett, in dem sich neben Rentnern, Fast-Rentnern, Hausfrauen und exilierten Bombenbastlern auch Pleitegeier und komplex-beladene twenty-somethings tummeln. Und sollte sie alle etwas verbinden, dann wäre es wohl am ehesten die Fähigkeit, im Leben nichts zustande zu bringen. Kurz: Menschen, für die ich prinzipiell ein Herz, aber eben nur sehr selten überschüssige Zeit und Lust parat habe.

Doch für Christiane Schuricht aus Hannover mache ich gerne mal eine Ausnahme. Zum einen, weil sie sich schon geraume Zeit und auch jüngst besonders darum bemüht hat. Zum anderen, weil ich es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren könnte, der Öffentlichkeit derlei Skurrilitäten vorzuenthalten.