Häschenalarm: Politischer Ostersonntag auf Schloss Bellevue.

 Als Bundespräsident hat man’s manchmal wirklich nicht leicht. Während es den Rest des Jahres über genügt, quer durch die Weltgeschichte zu tingeln, dabei nett in die Kamera zu grinsen und wahlweise den Islam, die christliche Leitkultur oder den Multikulturalismus anzupreisen, muss man an hohen Feiertagen schon ein bisschen mehr bieten, um die Berliner Kollegen zufrieden zu stellen. Schließlich lassen sich Ostern und Weihnachten nicht so leicht abschalten wie intakte deutsche Atomkraftwerke. Doch auch dieses Jahr gelang es Papi Wulff, die heillos zerstrittene Gurkentruppe in die luxuriösen Parkanlagen von Schloss Bellevue zu integrieren. Mit Spiel, Spaß, Spannung und Schokolade lockte er die VIPs des deutschen Bundestags zum familiären Eiersuchen – ein Event, das über kurz oder lang zum absoluten Super-GAU mutieren sollte. 


Dabei wirkte Gastgeber Wulff stets sehr bemüht. Selbst organisatorische Restrisiken räumte er geschickt aus dem Weg. So gab es sich zu, dass heuer leider kein passender Osterhase aus Fleisch und Blut engagiert werden konnte, da dies angesichts des tragischen Todes von Popstar „Knut“ moralisch und ethisch nicht vertretbar gewesen wäre. Doch Wulff reagierte umgehend! In Ermangelung eines adäquaten Osterhäschens schlüpfte er kurzer Hand höchstpersönlich in das rosa Häschen-Kostüm seiner Gattin Bettina (ein Andenken an ihre wilden Studentenzeiten), und hoppelt nun mit einem prall gefüllten Körbchen durch die weitläufigen Anlagen von Bellevue.

Auf der Terrasse wartet die politische Prominenz schon ungeduldig auf ihre Geschenke. Um die Wartezeit möglichst kurzweilig zu gestalten und eine Schlacht mit Dioxin-verseuchten faulen Eiern zu verhindern, wurde eigens das derzeitige Moral-Sternchen Maggy Käßmann einberufen. Sie verliest gerade – passend zum eigentlichen Anlass – ausgewählte Bibelstellen und schenkt nebenbei zuverlässig ausgewählten Messwein nach, um die Truppe bei Laune zu halten. Pathetisch gibt sie zu bedenken, dass Ostern das Fest der Auferstehung sei, und blickt dabei mahnend in Richtung Guido Westerwelle, der sich den Oster-Besuch trotz der eigenen Talfahrt nicht nehmen lassen wollte. Er hat nun jedenfalls genug gehört und will jetzt endlich sein Geschenk. Und so verlässt er die reich mit Steuergeschenken bestückte Kaffeetafel und begibt sich in den Garten, wo er emsig nach den verlorenen Wählerstimmen sucht. Dicht gefolgt übrigens von Karl Theodor, der zwar nicht mehr die deutsche Sicherheit, dafür aber weiterhin sich selbst verteidigen möchte. Im nahe gelegenen Blumenbeet hält er vergeblich Ausschau nach fehlenden Fußnoten.

Indes ist Claudia Roth, die zum Glück noch rechtzeitig aus Nordkorea ausreisen durfte, bereits fündig geworden. Gut versteckt unter Wulffs türkischem Gebetsteppich hat sie ihr Geschenk bereits entdeckt: Ein One-Way-Ticket in eine Diktatur ihrer Wahl! Freudig präsentiert sie es ihrer Freundin Gesine, die gerade im Gebüsch verzweifelt nach dem Weg zum Kommunismus sucht, und überstrahlt dabei vor lauter Euphorie sogar die Sonne auf ihrem „Atomkraft – Nein danke!“-Button. Ganz im Gegensatz zu Guido übrigens, der mittlerweile schon den halben Garten umgegraben hat, aber immer noch nicht auf die erhofften Wählerstimmen gestoßen ist. „Tja, Guido, Leistung muss sich eben lohnen“, ruft ihm Chefin Angi süffisant zu, die mittlerweile ebenfalls fündig geworden ist. Der Osterhase hat ihr nämlich ein brandneues grünes Fähnchen gebracht, dass sie je nach Bedarf in den Wind hängen kann. Entzückt bestaunt sie ihr Geschenk und für einen kurzen Moment scheint es, als würden sich ihre Mundwinkel um wenige Millimeter nach oben heben.

Einige Meter weiter kommt es hingegen zum Eklat zwischen Winfried Kretschmann und Peter Ramsauer. Der neu ernannte Ökominister hat nämlich soeben sein neues, äußerst schnittiges Bobby-Car bestiegen, tritt nun kräftig in die Pedale, erliegt dem Rausch der Geschwindigkeit und brettert rücksichtslos durch die Wulff’sche Gartenanlage. Dabei kollidiert er mit Verkehrsminister Ramsauer, der mittlerweile schon sein drittes Weißbier intus hat und sich gerade äußerst beschwingt auf die Suche nach einem neuen Ministerium macht -  denn schließlich soll Porsche ja künftig nur noch Tretautos bauen.

Indes vergnügt sich der Rest der Gesellschaft auf der Wulff’schen Terrasse und genießt die herrliche Aussicht auf die von Windrädern geprägte Kulisse. Salonbolschewist Trittin lobt die Idee, die Kollegen mit Brot und Spielen (aber bloß keine olympischen!) ruhig zu stellen, während Innenminister Friedrich sich immer noch über seinen neuen Koran echauffiert, der ihm vorhin von Integrationsminister Wulff – natürlich mit der Bitte um baldige Lektüre – zur Feier des Tages überreicht wurde. Auch für Sigmar Gabriel sind die fetten Zeiten noch lange nicht vorbei. Mit diebischer Freude öffnet er ein Ü-Ei nach dem anderen, schmatzt selig vor sich hin und ergötzt sich allein am zarten der Schmelz der Vollmichschokolade – denn dass Spiel, Spaß und Spannung schon längst nicht mehr an der Tagesordnung sind, ist er aus seiner eigenen Partei ja bereits gewohnt.

Maggy Käßmann ist mittlerweile schon bei der dritten Flasche Messwein angekommen, als sie plötzlich beschließt, mal wieder ein wenig Zivilcourage (ihr erklärtes Spezialgebiet!) zu zeigen. Und so schüttet sie das letzte Gläschen auf Ex runter, greift nach der Kutte und torkelt mit Gottes Segen zu ihrem Auto. Insgeheim hofft sie freilich auf viele rote Ampeln zum Ignorieren, die ja bekanntermaßen Voraussetzung für einen festen Platz auf der SPIEGEL-Bestsellerliste sind.

Und Wulff? Der hat seine Gäste mittlerweile schon längst wieder zurück in den Bundestag verfrachten lassen und widmet sich nun der Pflege seines hoch seriösen Netzwerks. Sein Busenfreund Carsten Maschmeyer hat anlässlich der bevorstehenden Feiertage zur exzessiven AWD-Abzock-Party in sein Häuschen auf Mallorca geladen – ein Angebot, das man sich natürlich keinesfalls entgehen lassen sollte! 



Kommentare:

  1. Danke!

    Liebe Jennifer,
    vor zwei Tagen habe ich Ihr Blog entdeckt und habe inzwischen alle Ihre Beiträge gelesen.

    Diese unsägliche soziale Kälte, die macht ja die ganze schöne, ähh furchtbare menschengemachte Klimaerwärmung kaputt. Gutmenschen fordern jetzt bestimmt eine Dagegenpartei ;-)

    Ihre so Analysen sind ja schon sehr treffend, aber Ihr Stil des Schreibens macht Ihre Texte einfach genial. Ganz viele Ausrufezeichen.

    Ich freue mich schon auf die nächsten Beiträge!

    Schöne Ostertage, H_W

    p.s. Nick statt Klarname ist hoffentlich OK?

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  2. Hallo lieber H_W,

    allerbesten Dank für die Blumen! Sie haben Recht, ich würde ja auch so gerne ein bisschen Wärme verbreiten, aber angesichts der derzeitigen Umstände ist dies einfach nur schwer umsetzbar. Eine derartige Dagegen-Partei wäre natürlich eine großartige Aktion, da ich dies als unglaubliche Ehre auffassen würde. :)

    Mit bestem Gruss

    J.N.

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