Mehr Bush wagen!

Während die biodeutsche Elite noch nach dem IS-Mitgliedsausweis des Massenmörders von Nizza sucht, nur um anschließend ein beherztes "Kann man nix machen" in die Welt zu setzen, bleibt es auch auf der anderen Seite des Atlantiks spannend. Hillary Clinton will mehr gegen Islamismus im Internet unternehmen, womit sie - das muss man ihr zugutehalten - wenigstens so einigen deutschen Ministern einen Schritt voraus ist. Was sie dagegen keinesfalls will, ist eine Diskussion über "boots on the ground". Denn der IS wolle ja genau das, so Clinton. Jeder Vorschüler weiß doch: Das Schlimmste, was den Jungs in und um Raqqa passieren könnte, wäre der ungestörte Ausbau ihres "Staats" und unbehelligtes Weiterköpfen.

Donald Trump recyclet derweil seine Idee, den radikalen Islam weltweit mit Einreisestopps für Muslime und Flüchtlinge zu bekämpfen. Was wiederum die aktiven Terroristen samt ihrer Unterstützer im Geiste sofort dazu bringen wird, die weiße Flagge zu hissen. Präsident Obama hingegen tut das, was er in solchen Fällen immer zu tun pflegt: Terror verurteilen und Frankreich Hilfe anbieten, die dort endet, wo auch sein Vorrat an freundlichen Floskeln aufhört. Jeder hat eben so seine roten Linien.

In Europa wiederum hat nur Angela Merkel etwas Sinnvolles zum Blutbad in Nizza zu sagen. Von einem "Tag der Trauer" war ihrerseits die Rede. Womit sie völlig recht hat. Nicht nur heute, nicht erst seit gestern besteht Anlass zur Trauer ob der Tatsache, dass es auf der internationalen Bühne keinen Politiker wie George W. Bush mehr gibt. Einen US-Präsidenten, der wusste, wo die Konfliktlinie verläuft. Der nie auf die Idee gekommen wäre, einem Vladimir Putin und einem radikal islamischen Regime wie dem Iran den Kampf gegen andere Islamisten zu überlassen. Der zudem keinen Hehl daraus machte, dass man nicht nur Terroristen, sondern auch diejenigen, die Terroristen unterstützen, ins Visier nehmen muss.

Und oben drauf ein Mann, der noch klare Worte zustande brachte, die zuverlässig all jene, ob rinks oder lechts, in Rage brachten, denen die Freiheit ohnehin nichts wert ist.

"These terrorists kill not merely to end lives, but to disrupt and end a way of life. With every atrocity, they hope that America grows fearful, retreating from the world and forsaking our friends. They stand against us because we stand in their way.

(...)

This is not, however, just America's fight. And what is at stake is not just America's freedom. This is the world's fight. This is civilization's fight. This is the fight of all who believe in progress and pluralism, tolerance and freedom."

‪#‎MissingBush‬

 


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Das Familienministerium präsentiert: Hier ein Herzchen, da ein bisschen Hetze gegen Juden

Im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gibt es immer etwas zu tun. Und Hausherrin Manuela Schwesig sorgt höchstpersönlich dafür, dass das auch so bleibt. Noch am Dienstag feierte sie ausgelassen den 30. Geburtstag des „Frauenministeriums“. Nur einen Tag später bog sie mit dem Vorschlag ums Eck, zahlungsunwilligen Elternteilen den Führerschein zu entziehen. Dabei hatte sie schon in den letzten Tagen und Wochen alle Hände voll damit zu tun, den ersten Jahrestag des „ElterngeldPlus“ zu begehen,  Schulabbrechern in Schwerin mental und finanziell zur Seite zu stehen, Führungspositionen auch Frauen in Teilzeit zugänglich zu machen und mobile Spielplätze vor deutsche Flüchtlingsunterkünfte zu schicken.

Umso beachtlicher ist es, dass sie bei all dem Stress noch dazu kommt, sich um die Dinge zu kümmern, die wirklich zählen – zum Beispiel Hassrede im Internet. Erst letzte Woche stellte sie die "No Hate Speech" Kampagne vor, mit der sie „ein weiteres Zeichen gegen Hass und Gewalt“ setzen möchte. Eine durchaus reizvolle Idee. Noch schöner wäre sie allerdings, wenn Manuela Schwesig nicht gleichzeitig ein anderes Projekt fördern würde, das auch ambitionierten „Israelkritikern“ Asyl gewährt. Gerne wüsste man, was genau das BMFSFJ eigentlich unter „Hass“ versteht. Mehr noch: Wo verläuft eigentlich die Grenze zwischen Hetze und Kritik? Grund genug, bei den direkt Zuständigen – Staatssekretär Dr. Ralf Kleindiek und Thomas Heppener (Chef des hauseigenen Bundesprogramms „Demokratie leben“, vormals Direktor des Anne Frank Zentrums) -  einmal nachzufragen.

Sehr geehrter Herr Dr. Kleindiek, sehr geehrter Herr Heppener,

mit großem Interesse habe ich zur Kenntnis genommen, dass die „No Hate Speech“ Kampagne des Europarats nun mit Unterstützung von Familienministerin Manuela Schwesig auch in Deutschland an den Start geht.  Der Website des Ministeriums entnehme ich, dass es bei „No Hate Speech“ darum geht, „ein weiteres Zeichen gegen Hass und Gewalt setzen“ - denn „Hass ist keine Meinung“, so Frau Schwesig. Das klingt soweit nachvollziehbar. Allerdings vermisse ich seitens des Ministeriums eine genaue Definition dessen, was „Hass“ überhaupt bedeutet. Der Duden besagt zwar, dass es sich dabei um „ein starkes Gefühl der Ablehnung und Feindschaft gegenüber einer Person, Gruppe oder Einrichtung“ handelt. Aber wenn eine oberste Bundesbehörde Hass bekämpfen will, wüsste ich auch gern, wo genau denn in den Augen der Verantwortlichen Kritik endet und Hass beginnt.

Genau diese Frage stellte ich mir nämlich schon im Mai diesen Jahres, als ich über das Projekt „i,Slam“ stolperte. (Meinen Text dazu finden Sie hier, ebenfalls in der „Jüdischen Rundschau“ erschienen.) Wie Sie ja wissen, wird dieses Projekt – genauer: der dazugehörige „i,Slam Kunstwettbewerb für sozial- und gesellschaftskritische Kunst“ unter Schirmherrschaft von Manuela Schwesig – im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“ und somit ebenfalls von Ihrem Haus gefördert. Bei i,Slam handelt es sich um Poetry Slam für junge Muslime mit entsprechenden Themen (Islamophobie, Rassismus, usw.). Im Gegensatz zu konventionellen Poetry Slams werden die Beiträge bei i,Slam vorab von den Verantwortlichen überprüft, um blasphemische Texte präventiv aus dem Verkehr ziehen zu können. Denn „der i,Slam soll ein sauberer Slam sein“, betonen die Initiatoren.

Nur wenn es um Juden und Israel geht, machen die i,Slamisten gerne mal eine Ausnahme. Von „dreckigen Zionisten“ war etwa bei einem Poesie-Abend in Braunschweig die Rede. Der i,Slam-Mitarbeiter Ilhan Hancer sinnierte am selben Abend ebenfalls über einen interessanten Vergleich: „Was ist der Unterschied zwischen Juden und Muslimen? Die Juden haben es hinter sich.“ Darüber hinaus beteiligte sich i,Slam mit einem „Street Slam for Justice“ an den Pro-Gaza-Protesten im Sommer 2014. Im Rahmen dessen wurde viel über das Unrecht in Gaza geklagt, für das die Nachwuchs-Dichter allerdings stets die israelische Regierung, nie aber die Verursacherin des damaligen Konflikts, nämlich die Terrorgruppe Hamas verantwortlich machen.

Diese Umkehr der Rollen inklusive Klagelied ist zwar mittlerweile Volkssport in Deutschland. Aber das ändert nichts daran, dass auch bei den Demokraten von i,Slam nicht konkrete Handlungen der israelischen Regierung kritisiert werden, sondern vielmehr der Umstand, dass Israel sich überhaupt verteidigt.

Generell scheint die Befreiung Palästinas ein wichtiges Anliegen vieler i,Slam-Poeten zu sein. Vor allem die deutsch-palästinensische i,Slam-Aktivistin Faten El-Dabbas wirkt dahingehend sehr engagiert. Nur versteht sie darunter offenkundig nicht die Befreiung Gazas von der Hamas. Auch die Gründung eines palästinensischen Staates in Grenzen, die mit den israelischen Sicherheitsinteressen in Einklang stehen, wäre gemäß ihren Werken nicht ganz nach ihrem Geschmack. Sie möchte offenbar lieber ganz Israel, darunter etwa die israelische Hafenstadt Jaffa, die zu Tel Aviv gehört, in palästinensischer Hand sehen.

Diesen Wunsch artikulierte Frau El-Dabbas im Übrigen auch schon recht deutlich im Berliner Willy-Brandt-Haus. Dort dichtete sie vor Publikum über die Befreiung Palästinas sowie über Mauern, Siedlungen, Soldaten, Panzer und F16-Raketen der Israelis, die sich doch bitte in Luft auflösen mögen. Man muss kein promovierter Nahostexperte, Militärwissenschaftler oder Germanist sein, um zu wissen, dass ein völlig unbewaffnetes Israel inmitten von Hamas, Fatah und IS keine Sekunde überleben würde. [Video - Abschrift des Gedichts]

Mir ist bewusst, dass solche Intoleranz bei „Demokratie leben“ natürlich nicht so sehr im Mittelpunkt steht wie etwa rechtsextreme Propaganda. Aber Ihnen als Experten für gelebte Demokratie und praktische Toleranz wird ja trotzdem geläufig sein, dass Antisemitismus keineswegs nur Springerstiefel trägt, sondern sich schon seit Jahrzehnten auch in dem Wunsch und der Absicht manifestiert, den jüdischen Staat zu zerstören.

Sowohl die „No Hate Speech“ Kampagne als auch der „i,Slam Kunstpreis“ werden mit Mitteln des Bundesprogramms „Demokratie leben“ gefördert, für das jährlich 50,5 Mio. Euro zur Verfügung stehen. Der geplante Etat für 2017 wurde nun nahezu verdoppelt und auf 104,5 Mio. Euro erhöht, um noch mehr gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit zu unternehmen.

Als außenstehende Beobachterin frage ich mich nur, ob es nicht einen kleinen Interessenkonflikt gibt, wenn das Ministerium eine beherzte Kampagne gegen Hate Speech startet, gleichzeitig aber Hass und Hetze gegen Israel sponsert. Und als Steuerzahlerin wüsste ich gerne, warum ich erst die Verbreitung und Etablierung von Hass bezahlen muss, nur um hinterher dessen Eindämmung zu finanzieren.

Es sei denn freilich, es handelt sich bei der Poesie einiger i,Slamisten Ihrer Ansicht nach nicht um antisemitische Hetze, sondern um „gesellschafts- und sozialkritische Kunst“ - und bei Judenhass nicht etwa um „gewöhnlichen“ Hass, sondern um eine Meinung, die man nicht nur akzeptieren, sondern vielmehr im Rahmen eines Wettbewerbs mit Steuergeld fördern muss.

Aus diesem Grund wüsste ich gerne, wie das Familienministerium diesen Begriff definiert, wo genau also Kunst und Kritik enden und Hass beginnt.

In freudiger Erwartung Ihrer Antwort verbleibe ich mit bestem Gruss nach Berlin

Jennifer Nathalie Pyka


Dazu passend: „Hat das Bundesfamilienministerium Islamisten unterstützt?" Hier geht weiter.

Zuerst auf der "Achse des Guten" erschienen.


Audiatur et altera pars:

Die Kampagne für mehr Herzen informiert - https://twitter.com/NoHateSpeechDE/status/751054684060839936

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Ehrliche Antisemiten und europäische Übersetzungsfehler

Ich stelle mir gerade vor, was wohl so im Köpfchen eines durchschnittlichen AlQuds-Aktivisten vorgehen mag. Da opfert der besorgte Bub seinen halben Samstag, um mit einem Plakat über den Berliner Ku'damm zu laufen, auf dem "Israel raus aus Palästina" steht. Denn schließlich dürften doch gerade die Deutschen begreifen, was es damit auf sich hat. Er ruft "Kindermörder Israel", plärrt sich die Seele aus dem Leib und tut auch sonst alles, um seiner Umwelt möglichst deutlich seine Vision eines judenreinen Palästinas zu vermitteln. Tag für Tag liket, teilt und kommentiert er BDS-Aufrufe, Hakennasen-Karikaturen und martialische Videos aus der PR-Abteilung des iranischen Regimes, in denen schon die Eroberung "Palästinas" durchgespielt wird. Arbeitstitel: "Israel must disappear from the pages of history".

Denn "erlebnisorientierte Jugendliche" wie er machen keinen Hehl aus ihrem Traum, die Juden ins Meer zu treiben. Seine Ehrlichkeit wirkt vergleichsweise erfrischend. Nur gelegentlich sieht er sich dazu genötigt, zwischen Juden und Zionisten zu differenzieren. Das hat er auch von den deutschen Israelkritikern gelernt. Und es stimmt ja: So ein AlQuds-Fanboy hat nichts gegen Juden. Sie müssen eben nur der ultraorthodoxen Neturei-Karta-Sekte angehören, die seinen Wunsch ausdrücklich teilt. Aus Palästina rauswerfen kann man sie später ja immer noch.

Und dann kommen plötzlich engagierte Soja-Latte-Antifaschistinnen und verständnisvolle Feuilletonisten ums Eck, streicheln unserem Palästina-Befreier über das Köpfchen und tun sein Engagement als bunte Folklore ab. Nur am Rande bekommt er mit, dass die Familienministerin nun auch eine "No hate speech" Kampagne ins Leben gerufen hat. Denn auf dem AlQuds-Tag in Berlin trifft er die dazugehörige Crew schon mal nicht. Niemand nimmt ihn ernst oder wenigstens beim Wort.

Dieses Schicksal teilt er sich mit Islamisten und Terroristen, die vor und während ihrer Blutbäder eher selten verheimlichen, möglichst viele "Ungläubige" ermorden und den Westen in Brand setzen zu wollen. Die Europäer glauben lieber an einen Übersetzungsfehler. Darum schicken sie umgehend eine Armada von Terrorismusexperten ins Rennen, die dem Publikum erklärt, dass "Tötet die Ungläubigen" in Wirklichkeit "Der Westen ist schuld!" bedeutet und wir deshalb viel mehr für Integration und gegen die USA unternehmen müssen.

Aber irgendwann kapiert auch der trotteligste Aktivist, dass die mit Bevormundung und Irrelevanz gepaarte Wurschtigkeit des Westens sein größtes Ass im Ärmel ist. Unbewaffnete Feinde sind zwar gut. Aber noch praktischer sind Gegner, die gar nicht merken, dass sie überhaupt Gegner sind.


 
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Ist Wolfgang Gedeon ein Antisemit, oder sieht er nur so aus?

Der Antisemit als solcher ist ein faszinierendes Wesen. Keine Hürde ist ihm zu hoch, kein Weg zu weit. Seit gut 2500 Jahren verfolgt er seine Mission mit Disziplin und Konsequenz. Andernorts hinterfragten die Menschen ihren jeweiligen Gott und den Glauben an die flache Erde – der Antisemit hingegen blieb standhaft und völlig unbeirrt auf Kurs. Ihn stört schließlich nicht, was „der Jude“ tut, sondern der Umstand, dass dieser überhaupt existiert.

Das Erfolgsrezept des Antisemiten besteht dabei in seiner Anpassungsfähigkeit: Er geht stets mit der Mode und findet immer einen anderen Grund, etwas gegen die Juden zu haben. Warf man ihnen vor rund 2000 Jahren die Kreuzigung Jesu vor, so befand man sie im Mittelalter der konzertierten Brunnenvergiftung und Wucherei für schuldig. Später stellte man sich dann die Judenfrage, nur um sie letztlich in deutscher Qualitätsarbeit präzise endzulösen.

Seitdem liegt der Gegenstand seiner Sorge zwischen Mittelmeer und Jordan. Der postmoderne Antisemit hält nicht mehr die Juden, sondern die Israelis für unser Unglück. Wenn er nicht gerade die Hamas, seine Brüder im Geiste, zu Widerstandskämpfern deklariert, echauffiert er sich über die Ungerechtigkeit, die dem noch nicht ganz nuklearen Iran widerfährt. Und wenn in Tel Aviv ein Jude einem Araber den Parkplatz vor der Nase wegschnappt, dann sieht er nicht etwa tatenlos zu, sondern initiiert sofort eine Petition gegen das „zionistische Apartheits-Regime“.

Daneben gibt es allerdings noch eine andere Gattung von Antisemiten, die eher wertkonservativ unterwegs ist. Die Arbeit seiner Vorgänger will er nicht einfach in die Tonne treten, dafür ist sie zu wertvoll. Lieber wärmt er sie auf und integriert sie in sein „Greatest Hits“-Programm, wo die sogenannte „Israelkritik“ dann neben Henry Ford und Julius Streicher ihren Platz findet.

Eine Prise Günter Grass

Zu diesen Multitasking-Antisemiten gehört auch der Politiker und Philosoph Wolfgang Gedeon vom Bodensee, der erst im März in der AfD-Fraktion im Stuttgarter Landtag Unterschlupf fand. In seinen Schriften, die über 2000 Buchseiten füllen, präsentiert das badische Multitalent nicht nur den guten alten, religiös motivierten Judenhass. Auch ein Hauch von Schlussstrich-Mentalität, eine Prise Günter Grass und eine ordentliche Portion Verschwörungspraxis entfalten sich dort zu voller Pracht.

Wenn er nicht gerade über die Bedrohung durch „talmudische Ghettojuden“ philosophiert und den Juden die Schuld am Antisemitismus gibt, widmet er sich den „Protokollen der Weisen von Zion“, die er nicht nur für authentisch, sondern auch für „genial“ hält. Und wenn er dann noch Zeit hat, beschwert er sich über den zionistischen Einfluss auf Presse und Justiz, der ihm genauso den Schlaf raubt wie der „Dschihad, den Israel gegen die Araber“ führe.

Nun allerdings hat die weltweite Verschwörung es gewagt, Gedeon bei seiner Widerstandsgymnastik zu stören. Nachdem sein Hobby plötzlich auch den Medien auffiel, hielt die AfD es für eine gute Idee, etwas zu unternehmen. Gedeon selbst übte sich derweil in der Kür, die jeder ordentliche Antisemit beherrscht. Kannte er sich bislang nicht nur mit den Dingen aus, die Juden und Zionisten für gewöhnlich so aushecken, so wusste er nun auch ganz genau, wo Antisemitismus beginnt und wie man ihn definiert. Er selbst sei demnach kein Antisemit, sondern nur „dezidierter Antizionist“. Und weil ihm das Wohl der Juden so am Herzen liegt, warnte er bei der Gelegenheit auch davor, den Antisemitismus-Begriff nun zu "verschleißen".

Denn den brauche man ja noch für die „echten Antisemiten“ – zu denen er selbst natürlich nicht zählt. Zwar verfügt Gedeon weder über jüdische Kronzeugen noch über jüdische Freunde. Dafür allerdings hat er eine jüdische Uhr, die ihn laut eigenen Angaben davor bewahrt, ein Antisemit zu sein. Und das ist ja auch etwas Schönes.

Dieses schlagkräftige Argument scheint nun auch Teile der AfD-Landtagsfraktion ins Grübeln gebracht zu haben. Denn eigentlich hätten die Abgeordneten am Dienstag über Gedeons Ausschluss aus der Fraktion abstimmen sollen – ein ohnehin schwieriges Unterfangen, für dessen Umsetzung Fraktionschef Meuthen nicht nur mit seinem eigenen Rücktritt drohen, sondern auch Rückendeckung des Bundesvorstandes, des Landesvorstandes und der Länderchefs organisieren musste.

Ein Antisemit oder ein Judenkritiker?

Jetzt wollen es einige Abgeordnete jedoch ganz genau wissen. Anstatt ihren Buddy ohne Widerruf vor die Tür zu setzen, hat sich die Fraktion auf Initiative einiger MdLs hin darauf geeinigt, ein Gutachten einzuholen, das klären soll, ob Gedeons Pamphlete antisemitisch sind oder nicht. Natürlich sind die ratlosen Abgeordneten gegen jeden Antisemitismus. Sie erkennen ihn nur selbst dann nicht, wenn er neben ihnen sitzt und die „Protokolle“ vorliest. Hinterher hat der Kollege ja doch eine Verschwörung aufgedeckt? Womöglich ist er gar kein Antisemit, sondern aussichtsreicher Anwärter für den Literaturnobelpreis? Denkbar ist schließlich alles, da muss man schon genauer hinsehen. Der Weise vom Bodensee, der auf seiner neuen Facebook-Seite gerade seinen Fanclub ausbaut, muss bis dahin am fraktionslosen Katzentisch Platz nehmen.

Humor hat er auch. Source: https://www.facebook.com/Wolfgang.Gedeon/photos/pb.1701015746832255.-2207520000.1466695328./1701026730164490/?type=3&theater

Und so werden wir uns nun künftig nicht nur mit der Frage beschäftigen, ob Jakob Augstein oder die Gaza-Matrosen aus der Linkspartei Antisemiten sind. Geklärt werden muss auch, ob Juden zu viel Einfluss haben, ob sie nicht doch selbst an ihrem Unglück schuld sind und ob die Protokolle echt sind; und falls nicht, ob jemand mit solchen Überzeugungen schon ein Antisemit oder nur ein querdenkender Judenkritiker mit guten Absichten ist. Der postmoderne Antisemit ist zwar schon weiter. Er verhütet heute den Angriffskrieg der Zionisten und nicht mehr den der Juden. Aber es kann ja trotzdem nicht schaden, im Jahr 2016 nochmal die Gedanken aus Opas Mottenkiste unter die Lupe zu nehmen und gut integrierte Gewissheiten kritisch zu hinterfragen.

Insofern zeugt die Rätselrunde von Stuttgart auch von Verantwortungsbewusstsein, wie man es im Land der Nürnberger Rassegesetze erwarten darf. Noch vor ein paar Jahrzehnten legten deutsche Schreibtischtäter gesetzlich fest, wer Jude ist und sich damit auf ein One-Way-Ticket nach Auschwitz freuen durfte. Wenn es nun um Antisemiten geht, dann lässt man aber lieber Vorsicht als Nachsicht walten und bestellt sicherheitshalber ein wissenschaftliches Gutachten. Nicht, dass die Weltverschwörer wieder übermütig werden.

Zuerst auf der "Achse des Guten" erschienen.

Siehe auch: 
"Die Protokolle des AfD-Weisen vom Bodensee" (30.04.2016)
"Das Wunder von Stuttgart" (12.06.2016)

Update: Das "Team von Dr. Gedeon" hat kurz nach der Veröffentlichung eine weitere Verschwörung identifiziert.

Siehe: https://www.facebook.com/Wolfgang.Gedeon/posts/1704019256531904?comment_id=1704312076502622&reply_comment_id=1704351413165355&comment_tracking=%7B%22tn%22%3A%22R9%22%7D
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Sozialdemokraten in Not: Heiko Maas macht das Fenster auf

Folgt man dem deutschen Grundgesetz, so hat jeder Staatsbürger sowohl Rechte als auch Pflichten. In letzter Zeit hat sich abseits dessen aber noch ein ganz spezielles Gebot etabliert: Hör hin, wenn Heiko Maas zu dir spricht. Der nämlich gab erst neulich zu verstehen, was die „schweigende Mehrheit“ in Anbetracht von rechter Hetze zu erledigen habe. „Wir alle sind gefordert: Wir müssen langsam mal die Gardine zurückziehen, das Fenster aufmachen, Gesicht zeigen und zurückrufen.“

Nun sind Appelle dieser Art nicht bahnbrechend neu. Überhaupt könnte man sich fragen, ob Heiko Maas sonst keine anderen Sorgen hat – die Mietpreisbremse oder Bikini-Werbung etwa. Aber abgesehen davon kann ich den Justizminister da schon sehr gut verstehen. Geteilte Arbeit ist halbe Arbeit, und Arbeitsteilung fördert die Effizienz. Der Punkt ist nur, dass ich gerade erst meine Steuererklärung durchs Fenster gereicht habe und eigentlich dachte, meine Pflichten fürs Vaterland seien damit fürs Erste getan. Denn nun können wieder Straßen und Schulen sowie Gedichtwettbewerbe für talentierte Israelkritiker finanziert werden. Aber das reicht angesichts des Ernsts der Lage offenbar nicht.

Dabei ist Maas‘ Idee auch insofern nicht uninteressant, als Genosse Gabriel erst neulich vorschlug, bei der Besteuerung von Vermögen die Beweislast umzukehren. Eine praktische Idee, die dem Generalverdacht zu frischem Charme verhilft. Der wiederum hat hierzulande zwar einen miesen Ruf. Aber wenn es um die Finanzen geht, kann man schon mal eine Ausnahme machen.

Der Bürger als solcher ist also, zumindest von Berlin aus betrachtet, ein eher zwielichtiges Wesen. Zum Zeichen setzen ist er aber gerade noch gut genug. Vorausgesetzt freilich, Heiko Maas drückt ihm eine Gebrauchsanweisung samt Wegbeschreibung in die Hand. Nicht auszudenken, was geschähe, wenn der Bürger plötzlich unbeaufsichtigt Gesicht zeigte - etwa für Atomkraft oder gar gegen neuerliche Rettungspakete für Griechenland.

Wenn die Kanzlerin zum Bürgerdialog ruft

Unabhängig davon frage ich mich aber, wohin die von Heiko Maas geplante Reise eigentlich gehen soll. Immerhin bin ich ja gefordert und soll zurückrufen. Höchstwahrscheinlich würde der Justizminister antworten, dass nichts Geringeres als ein weltoffenes und liberales Deutschland auf dem Spiel steht. Nur ist mir nicht ganz klar, wo genau dieses Deutschland eigentlich sein soll. Weltoffen geht es vielleicht auf allen Hierarchieebenen von Google und Facebook zu, oder über den Dächern von London, Hong Kong und New York. An Orten also, an denen das „bunt sein“ gerade keine Rolle spielt, wenn Verträge und Ehen geschlossen werden. In Deutschland hingegen ist es eher andersrum. Da wird empfohlen, einen Syrer sympathisch zu finden, nur weil er Syrer ist – und nicht etwa, weil er zufällig die gleiche Musik hört und auch sonst ein cooler Typ ist.

Das mit dem Liberalismus überzeugt mich ebenfalls nicht so recht. Wenn die Kanzlerin zum „Bürger-Dialog“ ruft, stehen Menschen landesweit Schlange, um dort ihren Wunschzettel vorzulesen und mehr staatliche Betreuung zu fordern. Und wenn angesichts des Blutbads in der „Charlie Hebdo“ Redaktion darüber spekuliert wird, inwiefern man nun „Charlie“ sein soll oder lieber doch nicht, dann demonstrieren die Deutschen durchaus eindrücklich, dass sie von Freiheit so viel Ahnung wie von Weltoffenheit haben. Denn dass Freiheit immer erst an den Rändern angegriffen wird und die Freiheit der Minderheit automatisch die der Mehrheit ist, leuchtet ihnen nicht ein. Darum sind sie weder Charlie noch Vermögender.

Der Arbeiter, das widerspenstige Wessen

Dient die Aufforderung aus dem Justizministerium also womöglich gar nicht der Weltoffenheit, sondern mehr dem Überleben der SPD? Immerhin weiß mittlerweile jeder Praktikant im „Vorwärts“-Archiv, dass gerade der Arbeiter ein denkbar widerspenstiges Wesen ist. Sexistische Werbung sieht er eben doch lieber in seinem Spint als auf dem Index. Und nach Feierabend guckt er Bundesliga, anstatt einer Diskussion über „Islamischen Feminismus“ im Willy Brandt Haus zu lauschen. Insofern hat die SPD es wirklich nicht leicht: Ihre Klientel ist einfach zu trottelig für das progressive Wunderland, in dem Manuela Schwesig und Heiko Maas schon ein- und ausgehen.

Für den Arbeiter trifft es sich dagegen gut, dass er nun auch eine sozialdemokratische Alternative wählen kann, die praktischerweise sogar seinen Mindestlohn im Angebot hat. Selbst die AfD hat begriffen, dass nur ein umverteilender Politiker ein guter Politiker ist. Sie bevorzugt dabei eben bloß die andere Richtung. Wenn Steuergeld dann nicht in den islamischen Feminismus oder den Tank eines Elektroautos, sondern in die Taschen des kleinen Mannes mit vielen Kindern fließt, dann freut das vor allem diejenigen SPD-Wähler, die dank sozialdemokratischer Politik überhaupt erst vom Staat abhängig gemacht wurden.

Wenn 82 Millionen Wahlkämpfer ein Zeichen setzen sollen

Indes macht sich der weltanschauliche Gegner auf, das „links-rot-grün verseuchte 68er-Deutschland“ zu bekämpfen. Meinte die AfD das ernst, so müsste sie allerdings bei sich selbst anfangen. Mit den Grünen hat man beispielsweise die Chlorhuhn-Phobie samt Klagelied über Konzerne gemein, die dem Bauern aus der Region das Leben schwer machen. Mit der Linkspartei könnte die AfD ohnehin gleich koalieren: Im Osten teilt man sich die Wähler, bundesweit die Aversion gegenüber den USA und das zärtliche Liebäugeln mit Putins Russland. Und mit der SPD wird sich die AfD vor allem deshalb Wähler teilen, weil die deutsche Jammer-Klientel, die bei der Kleinigkeit nach dem Staat ruft, zu attraktiv ist, um sie sich entgehen zu lassen.

Eventuell ist das der Grund, weshalb die vielerorts geforderte „sachliche Auseinandersetzung“ mit der AfD so grandios scheitert. Denn dann würde ja auffallen, dass – zumindest mit Ausnahme der Flüchtlingspolitik - nicht nur die SPD so Einiges mit dem Gegner gemeinsam hat.

Insofern ist es freilich klüger, wenn Heiko Maas sich weiterhin um den Kampf gegen rechte Hetzereien kümmert. Schließlich sind auch Justizminister nur Menschen, und Menschen verfolgen eben Interessen. Die einen wollen einfach in Ruhe gelassen werden und ansonsten selbst entscheiden, wie viele Zeichen sie setzen. Die anderen hingegen möchten gern wieder gewählt werden. Daher benötigen sie Hilfe im Kampf um die Deutungshoheit und Stimmanteile, die ihnen die AfD samt angeschlossenem Online- wie Offline-Protest gerade streitig macht. Unter normalen Umständen wären da zwar die Jusos, Gewerkschaften und die Friedrich-Ebert-Stiftung gefragt. Aber warum sollte eine 19-Prozent-Partei ganz allein Gesicht zeigen, wenn für diesen Job potentiell 82 Millionen Wahlkämpfer, auch als „wir alle“ bekannt, zur Verfügung stehen? Gerade Sozialdemokraten in Not sollte man derlei Manöver wirklich nicht übel nehmen.

Zuerst auf der Achse des Guten erschienen.

Geschlossene Fenster, viele Gardinen, keine Gesichter - © J. N. Pyka

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Randnotiz: Das Rätsel von Orlando

Nachdem ein Terrorist in einem Schwulenclub genüsslich 50 Menschen ermordet und weitere 53 verletzt hat, beginnt in Deutschland das große Rätselraten. Auch beim "Brennpunkt" ist man sich noch nicht sicher, ob das Blutbad in Orlando einen islamistischen Hintergrund hatte, oder ob es sich nicht doch um ein homophob motiviertes "hate crime" handeln könnte. Denn Homophobie und Islamismus schließen sich ja bekanntlich aus. Dieser Logik folgend hätte ich bloß eine kurze Frage: Gibt es in der Nachbarschaft der ARD womöglich einen geheimen Arbeitskreis mit dem Namen "Islamisten für LGBT-Rechte"? Und falls nicht: Wo genau findet man diese toleranten Regenbogen-Islamisten mit Sympathie für Schwule und Lesben? In einer vom Verfassungsschutz beobachteten Berliner Moschee? In Teheran? Oder doch eher im IS-Headquarter Raqqa? Die Antwort erfahren wir hoffentlich überübermorgen im "Brennpunkt".
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Das Wunder von Stuttgart: Wolfgang Gedeon und der Antisemitismus der Anderen

Gäbe es in Deutschland eine Castingshow mit dem Titel "Deutschland sucht den Super-Verschwörungspraktiker", dann wäre der AfD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Gedeon vom Bodensee ein brandheißer Kandidat. Denn schließlich vereint er in seinen Schriften nicht nur zeitgenössische Israel-Kritik nach Grass und Todenhöfer, sondern auch Schlussstrich-Mentalität, christlichen Antijudaismus, Relativierung der Shoah und jede Menge Verschwörungstheorie. Als ich Ende April erstmals darüber schrieb, hielt ich dieses Multitalent noch für eine Randnotiz, die außer ein paar Lesern auch weiterhin niemand zur Kenntnis nehmen wird. Schließlich lagen seine gesammelten Werke seit Jahren in Bibliotheken und im Netz herum, und keiner der vielen AfD-Experten in diesem Land störte sich daran oder beschäftigte sich überhaupt mit ihnen.

Ende Mai tauchten Gedeons Ansichten dann plötzlich in Auszügen in der BILD auf. Und von dort aus nahm die Geschichte ihren Lauf - inklusive des Eiertanzes, den die AfD sich selbst liefert und der mit jedem Tag lustiger wird. Zwar ist Gedeon nachweislich ein passionierter Rundbrief-Schreiber. Aber so wirklich gewusst haben will man von seiner Verschwörungspraxis freilich nichts. Der Bundesvorstand stellt sich jedenfalls - taktisch nicht unklug - gegen ihn, ein paar andere Funktionäre auch.

Wenn da nur nicht die Kollegen im Stuttgarter Landtag wären. Die nämlich wollen ihren Experten für zionistische Angelegenheiten offenbar nicht hergeben. Am 21. Juni sollen sie über Gedeons Ausschluss aus der Fraktion abstimmen, wofür eine 2/3-Mehrheit (16 von 23 Stimmen) notwendig ist. Bei einer Probeabstimmung kam man aber nur auf 10 Stimmen. Fraktionschef Jörg Meuthen richtet derweil aus, Antisemitismus habe in der AfD keinen Platz. Und weil das so ist, muss er extra noch eine Drohkulisse aufbauen: Wenn Gedeon nicht fliegt, geht er selbst.

Glücklicherweise ist bis zum 21. Juni allerdings noch genug Zeit für weitere Stunts dieser Art. Gedeon selbst, der gerade sein Wahlkreisbüro einrichtet, wittert jedenfalls eine "Kampagne." Darüber hinaus stellt er fest, er sei kein Antisemit, sondern nur Antizionist. Schuld sind die Medien. Also die Zionisten.

Parallel dazu macht Partei-Kollege Rottmann, der bei der Antisemitismus-Diskussion im Landtag im "I love Israel" Leiberl auftrat, mit einer Sternstunde der Logik auf sich aufmerksam:

"Wir dürfen keinen Antisemitismus in unserer Fraktion dulden.
2.) Ich schätze in der Fraktion den Kollegen Gedeon sehr und
3.) bin ich davon überzeugt, dass wir eine Lösung finden werden.
Ich weiß noch nicht, wie diese Lösung aussieht."

Fürwahr, eine Lösung muss her. Vielleicht eine Fahrt nach Auschwitz, oder zwanzig Stunden Stolpersteine putzen? Man wird sehen. Ein anderer AfD-Abgeordneter findet außerdem, die ganze Diskussion sei "schlimmer als in der Nazi-Zeit". Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis der nächste alternative Hinterbänkler die Sophie-Scholl-Gedenkmedaille für Wolfgang Gedeon ins Spiel bringt.

Ich bin daher der Ansicht, dass die BaWü-AfD ihren professionellen Antizionisten einfach behalten sollte. Die SED-Nachfolgepartei wirft Inge Hoeger und Annette Groth - beides passionierte Matrosinnen der Gaza-Flottille - ja auch nicht aus der Bundestagsfraktion. Ehrlicher Antisemitismus ist besser als unehrlicher. Und der Wähler sollte wissen, was er bekommt, bevor er seine Bestellung tätigt. Gerade der Transparenz wegen sollte das ja wohl möglich sein. Der "Wiedergutwerdung" (Eike Geisel) zu Liebe übrigens auch.



Wer Antisemit ist, entscheiden immer noch die Antizionisten - source: http://www.wgmeister.de/



Nachtrag (15.06.2016): Einmal mehr wird die Geschichte rund um den Nicht-Antisemiten Wolfgang Gedeon um ein bedeutsames Detail bereichert. Wie sich nun herausstellt, hat der Philosoph vom Bodensee zwar keine jüdischen Freunde. Dafür hat er aber etwas viel Besseres: eine jüdische Uhr. Und das wiederum ist der unumstößliche Beweis dafür, dass er kein Antisemit sein kann. An der Uhr sollt ihr sie erkennen. Alles weitere hier, ab Minute 1.54:



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Ein i,Slamistisches Gedicht für Manuela Schwesig

 

Manuela Schwesig und die jungen i,Slamisten – von Poesie gegen Israel und Dichtern im Dienste der Demokratie

Schon länger spekuliert man hierzulande gern und leidenschaftlich darüber, ob der Islam zu Deutschland gehört. Dabei ist die Frage völlig überflüssig. Es wäre höchstens interessant, zu wissen, ob der Islam zu Deutschland gehören will. Davon abgesehen ist er aber längst angekommen und besetzt emsig jede sich auftuende Nische. In Berlin ereignet sich jedes Jahr die Islam-Konferenz. Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, findet in jeder zweiten Talk-Show statt. Und während in Baden-Württemberg staatlich geförderte Initiativen dafür Sorge tragen, dass Muslime mehr Sport treiben, existiert im Rest des Landes kaum ein Tausend-Seelen-Ort, in dem noch kein Dialog der Religionen geführt wurde.

In Sachen Eventmanagement & PR ist der Islam folglich ein Multitalent. Eines seiner schönsten Projekte ist dabei schon vor ein paar Jahren entstanden und ebenfalls in Berlin beheimatet. Es nennt sich „i, Slam“ und steht für einen Poetry Slam, der exklusiv auf islamische Bedürfnisse zugeschnitten ist. Schließlich habe es an einer Plattform gefehlt, wo junge Muslime in erster Linie mit „ihrer muslimischen Identität“ auftreten können, wie die Gründer des Projekts betonen. Und weiter:

„Ziel ist es, jungen und talentierten Muslimen eine Chance zum Texten zu ermöglichen. Grundsätzlich wollen sie sich nicht von anderen Gruppen abheben, kritisieren jedoch Poetry-Slams in Bars. „Viele andere Slammer haben sexistische und blasphemische Beiträge. Wir wollen nicht auf diese Weise artikulieren“, erklärte Mitorganisatorin Furat Abdulle.“

Nachdem der haram-Slam allerdings auch sonst zu sündhaft ist, wird bei den i,Slamisten freilich kein Alkohol ausgeschenkt. Im Gegensatz zum Poetry Slam für Normalsterbliche winkt dem glücklichen Sieger folglich kein Freibier, sondern „eine Kaaba-Miniatur und Wasser des heiligen Brunnens Zamzam in Mekka, abgefüllt in PET-Flaschen“.

Wie Manuela Schwesig und die i,Slamisten Demokratie leben

Eine famose Idee also, die dringend Schule machen sollte. So oder so ähnlich scheint es auch Familienministerin Manuela Schwesig ergangen zu sein, als sie zum ersten Mal von den i,Slamisten Wind bekam. Denn nun gibt es nicht nur den „i,Slam“, sondern auch den „i,Slam Kunstwettbewerb für sozial- und gesellschaftskritische Kunst“. Und zwar mit freundlicher Unterstützung des Bundesfamilienministeriums, das an dieser Stelle durch die staatliche Initiative „Demokratie leben“ als Mäzen auftritt. „Demokratie leben“ wiederum ist ein Programm des Familienministeriums, das „die Zivilgesellschaft im Kampf gegen demokratiefeindliche und menschenverachtende Tendenzen in unserem Land stark machen“ will.

Familienministerin Schwesig jedenfalls, die als Schirmherrin des Wettbewerbs wirkt, ist schon jetzt ganz aus dem Häuschen: „Mit Kunst kann auf Missstände und Probleme in unserer Gesellschaft hingewiesen werden. Gleichzeitig kann Kunst dabei helfen, Brücken zu schlagen und Vorurteile abzubauen. Mit Kunst etwas bewegen – das ist das Ziel von i,Slam. Mitmachen lohnt sich, denn der Wettbewerb gibt euch eine Stimme. Als Schirmherrin freue ich mich auf eure Beiträge.“

Über die „gesellschaftskritischen“ Einsendungen ist bislang zwar noch nichts bekannt. Ein Blick auf die vergangenen Gedichte, die es zu „i,Slam“ schafften, rechtfertigt die Schwesig’sche Vorfreude allerdings durchaus. Mal geht es um Diskriminierung, mal um Islamophobie, mal um das Kopftuch, und manchmal sogar um Diskriminierung durch islamophobe Mitmenschen, die das Kopftuch nicht so klasse finden.

Worum es dagegen nicht geht, ist Kritik an Göttern jeglicher Art, vor allem aber dem eigenen. „Wir wollen keine Kraftausdrücke oder Beleidigungen“, so die „fünfte Säule des i,Slam“. „Der Respekt vor den Religionen muss gewahrt werden“, betonen die Gründer. Aus diesem Grund beschäftigt „i,Slam“ auch einen „theologischen Berater“, der dafür Sorge trägt, dass bloß keine Blasphemie auf die Bühne gelangt. Denn im Gegensatz zu konventionellen Poetry Slams werden die Beiträge bei „i,Slam“ schon vorab von den Initiatoren gelesen und auf Spuren von Gotteslästerung überprüft.

Wer Teil von etwas sein will, sollte nicht ständig das Trennende betonen

Nun ist es freilich überaus legitim, die eigene Bühne „sauber“ halten zu wollen. Auch gegen das Ansinnen, dort Zeichen gegen Islamophobie zu produzieren, ist nichts einzuwenden. Genauso wenig wie gegen die Absicht, unter sich bleiben zu wollen und die eigene Gruppenzugehörigkeit demonstrativ zu betonen. Bloß sollte man sich eben nicht wundern, wenn das nicht-muslimische Umfeld sich ein wenig schwer tut, eben diese Gruppenzugehörigkeit im täglichen Miteinander auszublenden. Wer Teil von etwas sein will, sollte nicht ständig das Trennende betonen – es sei denn, er möchte doch getrennt leben.

Ansonsten existiert in der Bundesrepublik weder ein Gesetz noch eine Religion, die zur Beleidigung von Göttern verpflichten. Gleichzeitig ruiniert Blasphemie in säkularen Gesellschaften eben nicht die eigene Existenz. Freiheit bedeutet, sich freiwillig zur Schonung von Göttern zu verabreden, ohne anderen dasselbe übelzunehmen. Wenn sich aber junge Muslime auf ein striktes Blasphemie-Verbot einigen, während aufgrund von Mohammed-Karikaturen Botschaften brennen und französische Karikaturisten im Namen Gottes sterben müssen, dann wird es mit dem Label „Demokratie leben“ etwas schwierig.

Von derlei Kleinigkeiten abgesehen sind die i,Slamisten allerdings perfekt integriert. „Der i,Slam soll ein sauberer Slam sein“, sagen sie. Es sei denn, es geht um Juden. Dann darf es ruhig auch mal ein wenig schmutzig werden. Oder eben auf „Missstände hingewiesen“ werden, wie Manuela Schwesig so schön sagt. Und einer dieser Missstände befindet sich bekanntlich zwischen Mittelmeer und Jordan. Von „dreckigen Zionisten“ war etwa bei einem Poesie-Abend in Braunschweig die Rede, wo auch der i,Slam-Mitarbeiter Ilhan Hancer den durchaus geistreichen Vergleich prägte: „Was ist der Unterschied zwischen Juden und Muslimen? Die Juden haben es hinter sich.“

Die i,Slamisten beleidigen niemanden – nur bei Juden machen sie eine Ausnahme

Da also mit den Zionisten wirklich keine Brücken zu bauen sind, wurde anlässlich des Gazakriegs im Sommer 2014 gleich ein neues Format begründet: ein sogenannter „street slam“ nämlich, also spontane Poesie auf offener Straße, der unter dem Motto „Dein Wort gegen das Unrecht!" in mehreren deutschen Städten inszeniert wurde. Um das Leid in Gaza ging es, um die zionistischen Schandtaten und weitere Aspekte, die die PR-Abteilung der Hamas sicherlich dankbar zur Kenntnis nähme, wenn sie darum wüsste.

Bei der Gelegenheit ganz vorne dabei: die deutsch-palästinensische Dichterin Faten El-Dabbas, die nicht nur den Islamischen Staat mit Israel gleichsetzt, sondern vielmehr den IS als Produkt des Mossads enttarnt hat. Seit 2012 gehört sie zum Kern von i,Slam. Wenn sie nicht gerade die Berliner Mauer mit der in Israel vergleicht, spricht sie über das vermeintlich vergessene Drama der Nakba, trifft sich mit dem hauptberuflichen Israelkritiker Martin LeJeune oder trägt ihre Gedichte bei SPD und Grünen vor. In den Genuss eines ihrer Meisterwerke kam man etwa im November 2014 im Berliner Willy Brandt Haus. Um ihren Trip nach „Palästina“ drehte es sich, besonders aber darum: „Ich plane Reise für Reise bis ich deine Befreiung erreiche!" Ein eleganter Euphemismus für den Wunsch, die Juden ins Meer zu treiben. Und weiter:

„bitte schenk meiner Hoffnung Raum, schenk meiner Hoffnung Raum,
so viel Raum
dass Grenzen verwischt werden
und sich Mauern in Luft auflösen
Siedlungen in Luft auflösen
Soldaten in Luft auflösen
Panzer in Luft auflösen
F16-Raketen in Luft auflösen!
Bis die Unmenschlichkeit nicht mehr hinter Mauern hallt, sondern in sich zerfällt,
weil dein Henker dein Todesurteil nicht mehr fällt.
Weil es dann einen Richter gibt, der über deinen Henker richtet,
weil es dann Gerechtigkeit gibt, die den Plan deines Henkers vernichtet.
Weil es dann nichts mehr gibt,
was meiner
Rückkehr für immer im Weg steht“

Fürwahr, auf diese Weise werden gleich jede Menge Vorurteile abgebaut. Vor allem aber das Gerücht, wonach Deutschland ein islamophober Staat sei. Natürlich ist es den jungen Poesie-Talenten unbenommen, den Wunsch nach der Zerstörung Israels in Versform zu verpacken. Aber dafür auch noch Steuergeld zu investieren, und zwar im Rahmen einer Initiative, die jeglichen „Ideologien der Ungleichwertigkeit“ entgegentreten will – diese Gabe beansprucht Deutschland ganz für sich allein. Offenkundig gehört eben nicht nur der Islam, sondern auch seine charmante Version der in Deutschland populären Israelkritik dazu.

Darauf ein Glas heiliges Mekka-Wasser!

Viele potentielle i,Slamisten bei der Arbeit (Pro Gaza Demonstration in München, Juli 2014 - © J. N. Pyka)


Zuerst auf der "Achse des Guten" erschienen.
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Dinge, die Sie der Friedrich-Ebert-Stiftung lieber nicht anvertrauen sollten

Das Leben ist nicht fair. Vor allem nicht gegenüber Mitarbeitern der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Je 19,5-prozentiger die SPD, desto tiefer sinkt auch das Stimmungsbarometer in der Stiftung. Was also tun? Wer sind wir, und wenn ja, wie lange noch? Die Mitarbeiter der FES gerieten ins Grübeln. Eine knackige Idee musste her, schließlich ist ja bald Wahlkampf. Soziale Frage? So 19. Jahrhundert. Mal wieder das Kostüm der klassischen Arbeiterpartei aus dem Speicher holen? Nein, es müffelt zu sehr. Was mit sozialer Gerechtigkeit vielleicht, Schere, Kluft und Graben? Jawohl, grandiose Idee, läuft immer! „Lass uns gleich eine Umfrage in Auftrag geben!“, schlug der eine FES-Mitarbeiter vor. Und der andere bemerkte, es sei vielleicht nicht schlecht, Fragen zu stellen, die schon in jeder Talkshow auftauchen. Man müsse den Bürger schließlich dort abholen, wo er gerade steht. Zwar gibt es dieser Tage keine „einfachen Lösungen“. Aber die einfachen Fragen von infratest, die sind zum Glück noch im Angebot.
 
Schon bald glühten die Drähte. 2000 Menschen wurden eingehend befragt, ob die soziale Ungleichheit zu groß sei und was sich dagegen unternehmen ließe.
 
Nun weiß ich ja nicht, wie es Ihnen geht. Aber wenn man mich mit derlei Fragen belästigen würde, dann gäbe es nur eine vertretbare Antwort: Alles super und total gerecht. Das wäre zwar komplett gelogen. Tatsächlich empfinde ich es beispielsweise als zutiefst ungerecht, dass Wolfgang Schäuble sich derzeit mit 42 Milliarden Überschuss vergnügt, ohne auf die Idee zu kommen, mir wenigstens einen Bruchteil meines Geldes wieder zurückzugeben. Und den Umstand, dass junge Erwachsene dank Mindestlohngesetz erfolgreich um ihre Praktika und damit um ihre Chancen gegenüber der globalen Konkurrenz gebracht werden, erachte ich auch nicht gerade als Inbegriff von Fairness. Aber wie gesagt, nichts davon würde ich der Telefonistin von infratest anvertrauen. Viel zu groß wäre meine Angst, dass nur der erste Teil meiner Antwort – ja, es gibt Ungerechtigkeit – in Richtung FES gekabelt würde und man sich dort ermutigt fühlen könnte, weitere Gesetze und Maßnahmen zwecks neuer Ungerechtigkeiten zu ersinnen.
 
Darum halte ich mich sicherheitshalber bedeckt. Anders als die 82% der Befragten, die die soziale Ungleichheit zu groß finden, und anders als die 76%, die angesichts dessen eine sehr originelle Lösung – Vermögen stärker besteuern – in den Mund gelegt bekamen.
 
Bei der FES hingegen knallen derweil die Prosecco-Korken. Hurra, die kleinen Männer fühlen sich ungerecht behandelt! Endlich haben wir wieder was zu tun. Das Gehalt ist sicher. Nicht auszudenken, wo wir hinkämen, wenn eine Mehrheit nicht mal mehr Spuren von Ungerechtigkeit verspürte. Denn der Sinn von Politik ist ja nicht zwingend, Probleme zu lösen. Ab und an muss man Probleme auch hegen und pflegen, um nicht selbst überflüssig und folglich arbeitslos zu werden. „Most of the energy of political work is devoted to correcting the effects of mismanagement of government”, hat Milton Friedman mal angemerkt. Aber rund um die FES würde man lieber Mindestlohn beziehen, anstatt ketzerische Schriften wie “Kapitalismus und Freiheit” zu lesen.

Und so erfreut man sich an der hohen Nachfrage nach sozialer Gerechtigkeit und der gefühlten eigenen Relevanz. Denn die befragte Mehrheit findet Deutschland ja nicht nur ungerecht. Sie findet folglich auch, dass Politiker, Stiftungsmitarbeiter, Armutsforscher und Social Justice Beauftragte noch viel mehr zu tun haben sollten. Die Rechnung für derlei Aktivitäten begleicht ja der Vermögende - oder zumindest fühlt es sich so an. Und spätestens dieser Stelle lacht das Sozen-Herz dann wieder. Braves Volk. Gut gemacht und noch besser geantwortet, kleiner Mann. Weiter so!
 
 
Soziale Ungerechtigkeit: https://www.youtube.com/watch?v=2TxYNYpicXM
 
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Die Protokolle des AfD-Weisen vom Bodensee

Wer in Deutschland etwas auf sich hält, benötigt derzeit dringend eine klare Meinung zur AfD. Besser wäre noch eine klare Kante, aber notfalls tut es auch die Sorge vor einem neuen 1933. Mein Problem ist nur folgendes: Mir ist die AfD tatsächlich vergleichsweise egal. Ich finde sie nicht sympathisch, aber auch nicht 1933. Vielmehr halte ich sie für ein klassisches Symptom der bipolaren Störung, der dieses Land hin und wieder frönt. Abgesehen davon sieht sie mir wie ein recht sozialdemokratischer Verein aus, der sicher viel Freude am Umverteilen fremden Geldes fände – nur eben in die andere Richtung. Mehr für die siebenköpfige Familie und den lokalen Bauern, weniger für den Oberstudienrat, der ein Elektroauto kaufen möchte. Ob der Kapitalismus aber nun von links oder eben von rechts angegriffen wird, ist letztlich auch schon egal.

Darum grenzt es an Zufall, dass ich mich jüngst auf der Website des frisch gewählten AfD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon aus Konstanz verirrte. Früher protestierte er gegen den Vietnamkrieg, anschließend wirkte er als Arzt. Als Rentner verfasste er Bücher über den „grünen Kommunismus und die Diktatur der Minderheiten“, heute sitzt er im Stuttgarter Landtag und jagt flammende Manifeste durch den internen AfD-Verteiler. Denn Gedeon gibt sich gar nicht erst mit Kleinigkeiten wie dem Ruf des Muezzins ab. Ihm geht es um das große Ganze, die Amerikaner, die Russen, den Islam, das Battle um die Weltherrschaft. "An diesen Fragen wird sich das Schicksal Deutschlands und Europas entscheiden", betont er.

Im Vorzimmer einer russischen Botschaft

Dabei hat er vor allem ein Herz für Russland. Dass sein Resolutionsentwurf beim Parteitag in Erfurt (2014), der neben einer Aufhebung der Russland-Sanktionen auch eine Distanzierung von den USA vorsah, nicht in Gänze übernommen wurde, tut dem freilich keinen Abbruch. Besucht man seine Website, fühlt man sich zwar nicht wie im Kreml. Aber für eine Vorstellung davon, wie es im Vorzimmer einer russischen Botschaft zugeht, genügt es durchaus. Denn der badische Experte für Auswärtiges weiß schließlich ganz genau, woran die globale Gemeinschaft so krankt. Syrien, Ukraine, Libyen – überall hat der Ami seine Finger im Spiel, der "eine interventionistische Strategie [kultiviert], die das zivilisatorische Modell der Vereinigten Staaten mit indirekter („Farbrevolutionen“, innenpolitisch inszenierte Putschs à la Maidan) und auch direkter Gewalt (Afghanistan, Irak, Libyen usw.) der restlichen Welt überzustülpen versucht".

Doch damit nicht genug. Auch Deutschland könnte bald eine derartige „Amerikanisierung“ drohen, zählt unsere Heimat doch neben Russland zu einem der größten Konkurrenten der USA: "Um ihre geopolitische Supermachtposition zu behalten, müssen die US-Amerikaner verhindern, dass Europa und Russland zusammenwachsen." Zu diesem Zweck hätten die USA auch die Maidan-Revolution angezettelt: nämlich um so einen Krieg zwischen Europa und Russland zu provozieren, in dessen Rahmen sich "zwei ihrer drei größten Konkurrenten gegenseitig zerfleischen" würden.

Nun ist den Amerikanern bekanntlich vieles zuzutrauen. Wenn sie uns nicht gerade toxische Chlorhühner unterjubeln wollen, überfallen sie in Dauerschleife fremde Länder und produzieren Reibereien am laufenden Band. Laut Gedeon sind das aber nicht deren einzige Kompetenzen. Auch auf die Organisation von Flüchtlingswellen sind sie spezialisiert. "Die USA wollen Europa und vor allem Deutschland über die nicht zu bewältigende Massenzuwanderung destabilisieren und so einen geopolitischen Konkurrenten ausschalten."

„Unser größtes politisches Problem sind die USA und die maßlose US-Hörigkeit der deutschen Politik“

So langsam wird es also eng für die Deutschen. Die Amerikaner an der Gurgel, die Zuwanderer vor der Tür, wobei die einen ja das andere verursacht haben. Da ist es gut, dass wenigstens Wolfgang Gedeon nicht nur den Überblick, sondern auch einen Plan hat. "Wir brauchen jetzt mehr Russland", fordert er, und dafür weniger USA sowie weniger "US-Hörigkeit der deutschen Politik". Denn die sei „unser größtes Problem“.

Allmählich finde ich Gefallen an der alternativen Gedankenwelt vom Bodensee. Zwar habe ich nichts gegen "Atomwaffen in der Eifel bis hin zur amerikanischen Überwucherung unserer Sprache" – zumal sein Faible für karzinogene Metaphern ja auch nicht gerade Literaturquartett-verdächtig ist. Und inwiefern im achten Jahr der Obama-Ära von amerikanischem Interventionismus die Rede sein kann, ist mir auch nicht ganz klar. Aber ich mag es, wenn der jammernde Deutsche die Bühne betritt, um dort über sein Dasein als Opfer der Geschichte und fremder Mächte zu referieren.

Dennoch beschließe ich, es dabei zu belassen. Jeder hat so seine roten Linien. Fast hätte ich die badische Kreml-Filiale auch wirklich verlassen, wäre ich da nicht noch über Gedeons Ansichten zu TTIP (er präferiert übrigens eine "Freihandelszone von Lissabon bis Wladiwostok") gestolpert:

"Amerikanische Krankenhausgesellschaften, Fracking-Firmen, Monsanto (Genmais) usw. stehen in den Startlöchern und wollen Europa und seine Zivilisation noch mehr amerikanisieren. Nicht zuletzt sollen die europäischen Regierungen und ihre Steuerzahler über private Schiedsgerichtsbarkeit dem Würgegriff New Yorker Anwaltskanzleien ausgeliefert werden.“

Nun hört man Ähnliches auch öfter von Sahra Wagenknecht. Nur frage ich mich, wieso es ausgerechnet der „Würgegriff“ sein muss, den doch sonst nur die Juden im Programm haben. Auch die Ostküste macht mich stutzig. Können Kanzleien aus Idaho und Alaska etwa nicht klagen?

„Die Herausforderung Europas durch Säkularismus, Zionismus und Islam“

Ich werfe nochmal einen Blick auf Gedeons gesammelte Werke. Dort stoße ich auf eine 1.800-seitige Trilogie aus dem Jahr 2009, die den Titel "CHRISTLICH-EUROPÄISCHE LEITKULTUR - Die Herausforderung Europas durch Säkularismus, Zionismus und Islam" trägt. Ein sagenhaftes Motto, wenn gleich mir nicht ganz einleuchtet, inwiefern die jüdischen Bestrebungen, einen eigenen Staat zu gründen, Wolfgang Gedeon, dessen Nachkommen und alle weiteren Deutschen bedrohen. Auch der Säkularismus ist ja eher nicht dafür bekannt, seine Anhänger in den Tod zu schicken und Bürgerkriege anzuzetteln.

Interessiert lese ich weiter und erfahre, worum es Wolfgang Gedeon eigentlich geht. Was ihn besonders mitnimmt, ist der vermeintliche Niedergang des Christentums. Durch das II. Vatikanische Konzil nämlich hätte die katholische Kirche "einen Rückfall in den Judaismus eingeleitet und damit dem Vordringen von Säkularismus, Zionismus und Islam geistig die Tore geöffnet". Und das geht natürlich gar nicht. Denn gerade der Zionismus, so steht es zumindest im zweiten Band über „Geschichte und Verschwörungspolitik“, sorge ständig für Ärger:

„Der Zionismus, ursprünglich eine nationalistisch-politische Bewegung des Judentums, dominiert inzwischen weitgehend das Denken des Westens. Er sorgt dafür, daß die ruhmreiche Geschichte des christlichen Abendlandes in eine Kriminalgeschichte des „Antisemitismus“ uminterpretiert wird; daß europäische Rechtsprechung, den Holocaust betreffend, immer mehr zur unsere Rechtskultur deformierenden Gesinnungsjustiz gerät; daß schließlich Auschwitz zum neuen Golgatha gemacht wird und ein allgegenwärtiges Holocaust-Gedenken das Christentum als Leitreligion des Westens verdrängt.“

Aber es kommt noch schlimmer. Im dritten Band nämlich begegnet mir wieder der gute alte Amerikaner, nun auch „US-Globalismus“ genannt, dessen Rolle (Erlangung der Weltherrschaft) ich schon aus Gedeons anderen Abhandlungen kenne. Zu diesem Zweck allerdings, so der AfD-Abgeordnete, paktieren die USA auch noch ausgerechnet mit dem Zionismus. Spätestens an dieser Stelle fällt auf, wie dumm es für die Deutschen offenbar wirklich gelaufen ist: Erst werden sie beim Betreiben von Gaskammern erwischt, und dann müssen sie sich über 70 Jahre später auch noch von den dämlichen Amis eine Gaskammer-Religion verordnen lassen.

Die Weisen von Zion und Gedeons Quellenverzeichnis

Ein weiteres Problem Gedeons ist der Gedanke daran, dass "unsere politische Klasse mit dem US-globalistischen Machtblock fest zusammengewachsen ist" und parallel "zionistische Politik betreibt". Das erkenne man vor allem an der Unterstützung, die die deutsche Regierung dem bevorstehenden „Angriffskrieg“ Israels gegen den Iran entgegen bringe. „Dass Israel Atomwaffen hat, die anderen aber nicht, und Israel damit seine Nachbarn nach Belieben unter Druck setzen und erpressen kann“, raubt dem Abgeordneten offenkundig den Schlaf. Mehr noch als die „Freiluftgefängnisse“ in den palästinensischen Gebieten, die „Exekutionen“ in Gaza und  der „Dschihad“ Israels gegen die Araber zusammen. Darum gibt es für den AfD-Mann aus Konstanz auch nur eine Konsequenz: ein staatsanwaltliches Ermittlungsverfahren gegen Angela Merkel wegen „Unterstützung eines Angriffskriegs“. Aber presto!

Daneben macht sich der Zionismus auch noch anderweitig bemerkbar.  Zum Beispiel im Rahmen der „Kampagne“ gegen Missbrauch in katholischen Schule etwa, mittels derer "schließlich das gesamte Christentum niedergemacht und ausgeschaltet" werden soll. Dass dahinter niemand Geringerer als der Zionismus stecken kann, belegt Gedeon dann auch gleich anhand einer äußerst validen Quelle:

„Das ist die freimaurerisch-zionistische Strategie, wie wir schon in den so sehr angefeindeten Protokollen der Weisen von Zion nachlesen können: „Mit der Presse in der Hand können wir verkehren Recht in Unrecht, Schmach in Ehre. Wir können erschüttern die Throne und trennen die Familien. Wir können untergraben den Glauben an alles, was unsere Feinde bislang hochgehalten …..“"

Ja, so sind sie eben, die Zionisten. Immer für eine Verschwörung gut, gerne auch mal in Kooperation mit anderen dunklen Mächten. Da ist es beruhigend, dass es noch tapfere Landtagsabgeordnete wie Wolfgang Gedeon gibt, die sich dem entgegenstellen. Zum Beispiel auf dem AfD-Parteitag in Stuttgart, wo der AfD-Mann wieder alles geben wird, um eine Transformation Europas hin zu "einem zionisierten Euramerika oder einem islamisierten Eurasien" zu verhindern. Die „Protokolle“ hat er in seiner Programm-Alternative, die er beim Vorstand eingereicht hat, zwar leider nicht zitiert. Aber vielleicht wird er im Stuttgarter Landtag einmal Gelegenheit dazu haben.



Endstation Barbecue: Gottlose Amerikaner beim Anzetteln neuer Kriege (© J. N. Pyka)


Zuerst auf der "Achse des Guten" erschienen.

Siehe auch: Das Wunder von Stuttgart: Wolfgang Gedeon und der Antisemitismus der Anderen (12.06.2016)
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