Warum Frieden zwischen Israelis und Palästinensern für die Deutschen katastrophal wäre.
Die Deutschen sind schon ein kurioses Völkchen. Sie wollen billigen Strom, demonstrieren aber zugleich gegen AKWs; sie gehen gern zu Mc Donalds, finden die Amis allerdings doof, und statt „Weltspiegel“ gucken sie lieber „Bauer sucht Frau“, da der agile Milchbauer Josef prinzipiell mehr Entertainment verspricht als die politische Weltbühne - wobei die Deutschen auch hier gerne mal eine Ausnahme machen. Denn grundsätzlich gilt: Von ca. 33 bewaffneten Konflikten, die sich momentan weltweit abspielen, gibt es nur einen, für den sich Umschalten lohnt - den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Wenn die Somalier gegenseitig aufeinander losgehen, ist das ungefähr genauso irrelevant wie der Drogenkrieg in Mexiko. Sobald jedoch in Israel etwas nicht ganz koscher scheint, klingeln beim deutschen Sesselstrategen alle Alarmglocken. Er wird plötzlich hellwach, macht den Fernseher lauter und lauscht aufmerksam den Erzählungen von Marietta Slomka und Tom Buhrow, die zumeist mit den Worten „Israel tötet / bombt / schießt auf Palästinenser“ beginnen. Interessant wird es erst, wenn Juden im Spiel sind - packend und fesselnd, sobald die Juden am Leid der Palästinenser schuld sein sollen. Diese Art von voyeuristischer Anteilnahme könnte man noch belächeln, sofern die Deutschen es dabei beließen – was sie aber leider nie tun. Stattdessen gerieren sie sich lieber als profilierte Nahostanalysten, Völkerrechtsexperten und Islamwissenschaftler und fühlen sich dabei unglaublich mutig. „Man wird ja wohl noch Israel kritisieren dürfen“ gehört zwar zum Standardrepertoire der Deutschen, doch wenn sie ihren Unmut über die Siedlungspolitik kund tun, geschieht dies stets im konspirativen Flüsterton, so als ob gleich der Mossad um die Ecke käme. Was lustig ist, da mittlerweile schon jede Hausfrau den Status des tapferen Tabubrechers für sich beansprucht, weshalb die sogenannte Israelkritik längst kein Tabu, sondern viel mehr common sense ist.