Himmelreichs Beschwerden

Die aktuelle Ausgabe des „stern“ ist eine Offenbarung für alle, die schon immer wussten, dass es trotz Gleichberechtigung nach wie vor miserabel um die Lage deutscher Frauen bestellt ist. Unter dem Titel „Der Herrenwitz“ enthüllt die stern-Autorin Laura Himmelreich schier Unfassbares über den „spitzen Kandidaten“ Rainer Brüderle und dessen Testosteronhaushalt. Der Tatort: Eine Hotelbar, wo der FDP-Mann ihr vor rund einem Jahr angeblich auf die Pelle gerückt sein, dumme Sprüche gerissen und wohl ein bisschen zu lang in Richtung Dekolleté geguckt haben soll. Ein waschechtes „Gate“ also, das Himmelreich, die praktischerweise Zeugin der Anklage und Berichterstatterin in einem ist, damit geöffnet hat.

Der/die besorgte Leser_In stellt sich jetzt natürlich Fragen: Hat die Autorin wirklich so lange gebraucht, um dieses Trauma öffentlichkeitswirksam im „stern“ verarbeiten zu können? Oder war es doch die Nominierung Brüderles zum Spitzenkandidaten, die gewisse Erinnerungen weckte? So in etwa. „Eine Geschichte über das ‘neue Gesicht’ der FDP [hat] nun eine andere Relevanz“, vermeldete Himmelreich jüngst auf Twitter; was so klingt, als wäre Brüderle zum Tatzeitpunkt nicht als FDP-Fraktionschef, sondern als Protokoll-Führer des örtlichen Gärtnervereins tätig gewesen. Ob auch das geforderte „Mehr an Zivilisation“ und die Chauvi-Krise an sich heute relevanter als gestern sind, behält sie indes lieber für sich.

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Kleines Einmaleins der Doppelmoral

Nicht nur die Mode, auch die Moral unterliegt dem Wandel der Zeit. Je länger Krieg und Elend zurückliegen, desto intensiver widmet sich der moderne Europäer dem Ausbau seines guten Gewissens. Wobei er natürlich, ganz dem Zeitgeist entsprechend, Prioritäten setzt: Mit Ungerechtigkeiten vor der Haustür gibt er sich gar nicht erst ab. Es muss schon das Geschehen auf der Weltbühne, und hier wiederum eine ganz bestimmte Konstellation sein, um automatisch in den Empörungsmodus zu wechseln.

So starben allein vorige Woche in Pakistan über 100 Menschen bei Terroranschlägen, während auch in Syrien weiter gemordet, im Iran kontinuierlich gesteinigt und in Nordkorea nach wie vor gefoltert wurde. Trotzdem fühlten sich weder Jürgen Todenhöfer noch Margot Käßmann oder Günter Grass dazu berufen, das weltweite Sterben kritisch zu kommentieren. Logisch, denn schließlich waren hier keine Problem-Völker, also weder Juden noch Amerikaner, maßgeblich beteiligt. Es gibt aber noch einen weiteren Grund für das selektive Schweigen, der neulich in der „Frankfurter Rundschau“ eruiert wurde:

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Tweet ohne Israel

Boykott-Aktionen, Gaza-Flotten, Demos und Kolumnen: Die sogenannte »Israelkritik« kennt mittlerweile viele Werkzeuge. Der Rapper und Bambi-Preisträger Bushido hingegen hat nun die einfachste Methode gewählt. Wer wissen will, wie er es mit Israel hält, muss nur seinen Twitter-Account besuchen. Dort nämlich nutzt er eine Landkarte als Profilbild. Genauer: eine mit »Free Palestine« betitelte Nahostkarte, auf der man kein Israel, dafür aber einen Palästinenserstaat vom Jordan bis zum Mittelmeer ausmachen kann. Ganz so, wie es auch der Hamas genehm wäre.

Weiter geht's in der "Jüdischen Allgemeinen".
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Ruprecht und das selektive Differenzieren

Ein unscheinbares Berliner Café ist der Ort, an dem sich erst neulich Freitag-Verleger Jakob Augstein und Ruprecht Polenz (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, zu einer außerordentlichen Krisensitzung verabredeten:

Jakob Augstein: „Herr Polenz, mir wird das alles zu viel. Eigentlich wollte ich ja nur Israel kritisieren, aber irgendwie ist da was schief gegangen, und jetzt halten mich alle für einen Antisemiten.“

Ruprecht Polenz: „Das kann doch jedem mal passieren. Künftig müssen Sie eben etwas geschickter vorgehen.“

JA: „Natürlich, aber wissen Sie, ich bin ja wirklich kein Antisemit. Und da dachte ich, eventuell könnten Sie als enger Freund Israels mal ein gutes Wort für mich einlegen …?“

RP: „Dieser Bitte komme ich gerne nach. Außerdem müssen doch gerade wir als Freunde Israels -“
JA: „… Israel kritisieren?“ (RP nickt mehrmals) „Sehe ich genauso. Und zusammenhalten müssen wir auch, also, sofern es Ihre Zeit nicht allzu sehr beansprucht.“

RP: „1. Machen Sie sich da mal keine Sorgen. 2. Der Auswärtige Ausschuss kommt gelegentlich auch ganz gut ohne mich aus. 3. Ich habe über 5000 Freunde bei Facebook, die ganz ähnlich wie Sie denken, für deren Beiträge ich aber NICHT verantwortlich bin. 4. Ich gehe sowieso bald in Rente.“

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Das Dschungelcamp der Anderen

Nun ist es endlich so weit: Alle Jahre wieder versorgt RTL sein verwöhntes Publikum mit bewegenden Momenten aus dem australischen Dschungel. Dass statt Promis nur Promi-Darsteller mit von der Partie sind, die in der Hoffnung auf den Aufstieg von der Z- in die C-Liga Dinge tun, die nicht zur Nachahmung empfohlen sind, ist dabei ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts. Schmährufe aus dem Feuilleton und Tierschützer in Aufruhr gehören genauso zum Dschungelcamp wie „Doctor Bob“ und Känguru-Hoden.

Dabei wäre es doch so einfach, das als kulturlos verschriene Dschungelcamp in ein etwas niveauvolleres Format zu verwandeln. Man müsste nur den ein oder anderen Ex-DSDS-Kandidaten und womöglich sogar die erfolgsfreie „Bachelor“-Anwärterin durch Personen des öffentlichen Lebens ersetzen, um der grünen Resterampe einen Touch von Relevanz zu verleihen. Warum entsenden wir also nicht zur Abwechslung eine illustre Delegation, bestehend aus Kandidaten wie Peer Steinbrück, Bettina Wulff, Lothar Matthäus, Klaus Wowereit und Alice Schwarzer, nach Australien?

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To discuss or not to discuss


Grußwort an den „Freundeskreis Israel in Regensburg und Oberbayern e.V.“ anlässlich der Jahresversammlung, verlesen am 08.01.2013 in Regensburg von Prof. Dr. Roland Hornung
 

Liebe Damen und Herren, verehrte Hummus-Liebhaber und Israel-Urlauber,

um es gleich vorweg zu sagen: Ich habe noch nie ein Grußwort verfasst und bin mir auch nun, da ich diese Zeilen schreibe, nicht ganz im Klaren darüber, was „man“ an dieser Stelle so sagt. Erwarten Sie also bitte keine feierliche Rede, die mit jeder Menge Weisheit und Moralin daherkommt. Das wäre nicht mein Stil, und außerdem denke ich, dass Sie davon schon genug gehört haben werden. Bevor ich aber meine persönliche Grußwort-Premiere begehe, möchte ich noch kurz anmerken, dass ich mich angesichts dessen sehr geehrt fühle. 

Halten wir uns aber nicht lange mit Floskeln auf, sondern kommen gleich zum Thema. Denn zu Israel gibt es bekanntlich viel zu sagen. Auch und vor allem in Deutschland, wo bald jeder Haushalt über einen eigenen Israel-Referenten  verfügt. Wir leben diesbezüglich tatsächlich in verrückten Zeiten: Die Schuldenkrise nimmt kein Ende, die US-amerikanische Wirtschaft sieht turbulenten Zeiten entgegen, die arabischen Staaten durchleben ihren Frühling, Herbst, oder Winter - suchen Sie es sich aus -, und wir selbst wählen dieses Jahr unseren Bundeskanzler. 

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Von Flughäfen, Hochstaplern und Hauptstadtmedien

Ein schöner goldener Herbsttag im Münchener Hofbräuhaus. Jennifer Nathalie Pyka hat sich nur eine Cola bestellt, der Interviewer übernimmt sich mit zwei Maß und muss seit Beginn seines Aufenthalts anerkennen, dass die bayerische Landeshauptstadt seiner Berliner Heimat einiges voraus hat.

Daniel Fallenstein: Was macht eigentlich München so schön?  

Jennifer Nathalie Pyka: München ist übersichtlich, gemütlich und noch nicht völlig verarmt. Gut, das, was heute unter Schicki-Micki firmiert, muss man schon ertragen können. Die Arroganz auch, aber München kann sie sich wenigstens erlauben. Aber abgesehen davon erhöht es die Lebensqualität schon wesentlich, wenn man sich im Grunde darauf verlassen kann, dass die Polizei vergleichsweise schnell und nicht erst dann kommt, wenn man schon erfolgreich verprügelt und halbtot am Boden liegt.

DF: Was kennst Du denn eigentlich von Berlin?

JNP: Die schmutzigen Seiten…

DF: … die Mauer?

JNP: Ich habe mal eine Rundreise unternommen, klassisch mit dem Touristen-Bus, einmal vorbei am Brandenburger Tor, quer durch die Stadt, inklusive Gendarmenmarkt, Holocaustmahnmal, Checkpoint Charlie und so weiter, bis hin zum Regierungsviertel und wieder zurück. Soweit ganz nett, aber dennoch hat Berlin schlichtweg kein Flair. Das merkt man schon bei der Ankunft in Tegel, einem Flughafen, der zwar immerhin existiert, aber eben auch unglaublich hässlich ist. Gleichzeitig hält Berlin wahnsinnig viel auf sich selbst, obwohl eigentlich auf nichts Verlass ist und bestimmte Ecken offenbar systematisch verwahrlosen. Sexy ist Berlin daher übrigens auch nicht. Eher arm und unsexy. (Mit einem betont unschuldigen Blick auf den gequält wirkenden Interviewer) Tut mir leid, ich kann ja auch nichts dafür.  (lacht)  Wie gesagt: nur gegen Schmerzensgeld.


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Jakob und seine Jünger

Kaum hat die Beschneidungsdebatte etwas an Lautstärke verloren, da steht schon wieder eine neue Diskussion über Juden ins Haus. Denn dass „Spiegel“-Kolumnist und „Der Freitag“-Verleger Jakob Augstein vorige Woche vom Simon Wiesenthal Center in die Hall of Shame der Antisemiten befördert wurde, kann natürlich niemand, Ahnung hin oder her, unkommentiert lassen. Ungerechtfertigt soll er sein, Augsteins neunter Platz, lächerlich und gar von rufmörderischer Qualität, um nur einige Urteile zu nennen, die derzeit so im Netz gefällt werden. Und der Geehrte selbst findet es „betrüblich“, wenn der „Kampf (gegen Antisemitismus) geschwächt wird“, was „zwangsläufig der Fall“ wäre, sobald „kritischer Journalismus“ (also seiner) als „antisemitisch diffamiert“ würde.

Nun sind Gefühlswallungen dieser Art zunächst sehr nachvollziehbar und verständlich. Schließlich weiß der aufrichtige Deutsche ganz genau, woran man den gemeinen Antisemiten erkennt: an Thor-Steinar-Klamotten, Glatze und NPD-Mitgliedsausweis. Und an Gaskammern, zweifellos. Doch damit hat ein Jakob Augstein, dieser gebildete und gut gekleidete Mann, geradezu das Aushängeschild der links-intellektuellen Elite, nichts am Hut. Seine Spezialität besteht dagegen in Kolumnen, die gemeinhin das Label „Israelkritik“ tragen und laut landläufiger Meinung einen wichtigen Beitrag zur deutsch-israelischen Freundschaft leisten.

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Kristina Schröder und die Hoppenstedts

Die gute Nachricht gleich vorweg: Deutschland geht es prächtig. Zumindest sieht es ein bisschen so aus, nachdem das halbe Land eine Zeit lang angeregt über Familienministerin Kristina Schröder, deren Praktiken beim Vorlesen von Märchen und die Frage nach dem, der oder das lieben Gott diskutierte. Da also die klinisch sterile Begradigung von Gesellschaft und Kultur oberste Priorität erlangt hat, scheint sonst alles in Ordnung zu sein.

Nun allerdings weihnachtete es vorrangig; das Land kam zur Ruhe und fokussierte seine Aufmerksamkeit auf Baum, Gans, Spiel und Spaß. Und natürlich auf Loriot, genauer: „Weihnachten bei Hoppenstedts“ – ein Format, das übrigens auch unterhaltsam finden kann, wer keinen Bezug zum Fest findet. Es sei denn, und nun folgt die schlechte wie auch eigentliche Nachricht, man betrachtet die Idylle bei Hoppenstedts aus der Schröder’schen Perspektive.


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Weniger Natur wagen!



Seit Klimakonferenzen nicht nur von Politikern in Doha, sondern auch von Kindern in Grundschulen durchgeführt werden, ist eines klar: Wir alle sind gefordert! Das Klima steht kurz vor dem Kollaps, Mutter Natur hat ihre besten Zeiten bereits hinter sich, und den Eisbären ist auch schon ganz schlecht (beziehungsweise warm). Heißt es zumindest. Während aber die deutsche Regierung lediglich fleißig abschaltet und sich Stromkunden über höhere Rechnungen freuen, gibt es auch noch Menschen, für die Klimarettung nicht nur Beruf, sondern Berufung ist. 

Einer von ihnen stammt ursprünglich aus Schweden,  wirkt als Berufsphilatelist ebenso wie als politischer Aktivist und heißt Jakob von Uexküll.  Als Stifter des „Alternativen Nobelpreises“, Initiator des „Weltzukunftsrats“ und Mitbegründer des „alternativen Weltwirtschaftsgipfels“ dürfte er mittlerweile zu einer Art Messias unter den Weltrettern avanciert sein. Ganztägig für Mutter Natur engagiert, findet der zweifellos fleißige Mann dennoch genug Zeit, um ausgiebig über die Zukunft zu philosophieren.
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