Nicht das Grüne vom Ei

Es ist durchaus nicht leicht, sich heutzutage zu einer Partei zu bekennen, ohne dabei auf dem Jahrmarkt der Tugendhaftigkeiten in Verruf zu geraten. Die CDU? Zu konservativ, verstaubt, hinterher noch rechts. Die FDP riecht dagegen nach Raubtierkapitalismus und Hoteliershintergrund, und wer SPD wählt, bekommt Steinbrück, also auch nicht den menschgewordenen Traum aller Genossen. Blieben nur noch die Grünen, die das haben, was allen anderen fehlt. Denn grün, das hat sich mittlerweile herumgesprochen, ist nicht nur ein Programm, sondern ein Lebensgefühl. Manchmal sogar ein Glaubensbekenntnis. Grün steht für Yogamatten, Bionade, Mülltrennung und das Bewusstsein, stets so zu handeln, wie es allgemein als „gut“ anerkannt ist.

Ohnehin ist vollumfängliches Gutsein das Stammkapital der Grünen. Hier werden alle „abgeholt“. Frauen werden nicht mit Herrenwitzen, sondern mit Quoten, Geringverdiener mit Mindestlöhnen und Zuvielverdiener mit höheren Steuern bedacht. Auch sonst wird niemand diskriminiert: weder Transsexuelle noch Bürger mit Migrationshintergrund, ja, nicht mal der iranische Botschafter.

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Sex and the Chuppa

"Um den Leser bis dahin weiterführend zu unterhalten, wartet der Roman mit einem zusätzlichen brandheißen Thema auf: Sex. Da wäre etwa die hochschwangere Trauzeugin (und zugleich Erzählerin des Romans), die den Leser nicht nur fortlaufend mit der überraschenden Erkenntnis konfrontiert, dass sie sich zum Platzen fühlt. Nebenbei hätte sie auch noch gerne Sex. Nur fehlt ihr eben der passende Mann. Ein ähnliches Schicksal erleidet Trauzeugin Nummer zwei, die zwar einen Mann, aber aufgrund von dessen Erektionsstörungen trotzdem keinen Sex hat. Ganz im Gegensatz zu den restlichen Hauptfiguren, die Sex wahlweise immer, nur manchmal oder mit dem Falschen haben. Womit sie sich wiederum dramatisch von den Nebendarstellern unterscheiden, die – man möchte es gar nicht ahnen – über nichts Geringeres als Sex reden."

Mehr in der aktuellen Ausgabe der "Jüdischen Allgemeinen" oder auch online.
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Gauck und die sieben Zwerginnen

Dass nun auch Bundespräsident Gauck unter die Sexisten gegangen ist, wäre vermutlich niemandem so rasch aufgefallen, wenn „Spiegel Online“ nicht eifrig mitgeholfen hätte. „Sexismusdebatte: #Aufschrei gegen Gauck“ hieß es da vorigen Mittwoch, unübersehbar als Top-Thema auf der Startseite platziert. Ach du Schreck, noch ein prominenter Sexist! Was mag da bloß geschehen sein? Hagelte es etwa Handküsse, oder, noch schlimmer, Tanzkarten?

Nicht doch. Der Bundespräsident hat viel mehr verbrochen, wie sich bei der Lektüre herauskristallisiert: „In einem offenen Brief kritisieren junge Frauen Bundespräsident Joachim Gauck für dessen Äußerungen zur Sexismusdebatte.“ Der Anlass dafür war ein Interview, in dem er die #aufschrei-Debatte rund um Brüderle als „Tugendfuror“ bezeichnete und zudem meinte, hierzulande keine „besonders gravierende, flächendeckende Fehlhaltung von Männern gegenüber Frauen“ ausmachen zu können.

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Deutschland macht die Mutprobe

Es gibt durchaus ein paar Disziplinen, die wir Deutsche wie kein anderes Volk beherrschen. Sicher, der Export lief schon mal besser, und über Dichter oder gar Denker ließe sich ebenfalls streiten. Dafür liegen unsere Stärken woanders: etwa im Erteilen guter Ratschläge an andere Länder, oder gerne auch in der Umsetzung von Großprojekten, die niemand bezahlen kann (Stichwort Energiewende). Das können wir richtig gut. Noch besser, wenn nicht gar unschlagbar, sind wird allerdings immer dann, wenn es darum geht, Mut zu beweisen.

Tatsächlich sind die Zeiten, da engagierte Mutbürger noch Mangelware waren, längst vorbei. Man muss auch keineswegs eine Mädchenschule am Hindukusch oder Oppositionelle auf Kuba besuchen, um zu erfahren, was „Mut“ bedeutet. Es reicht schon, sich in heimischen Gefilden umzusehen. Dort nämlich wimmelt es nur so von engagierten Mitbürgern, die keine Gelegenheit auslassen, um ihren Mut ohne Grenzen unter Beweis zu stellen.

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Quotenfrauen im Rausch der Endorphine

Was treiben eigentlich dynamische Journalistinnen, wenn sie Feierabend haben? Richtig, sie tun etwas Gutes. Und zwar ausnahmsweise für sich selbst, frau gönnt sich ja sonst nichts. Bestaunen kann man das auch und vor allem im Netzwerk „ProQuote“, wo Journalistinnen zueinander finden, um eine Frauenquote in der Medienbranche – 30% in Führungspositionen, und zwar auf allen Hierarchiestufen bis 2017 – zu etablieren. Denn, so die schockierende Nachricht der Matheprofis von ProQuote: „Nur zwei Prozent aller Chefredakteure der rund 360 deutschen Tages- und Wochenzeitungen sind Frauen, von den 12 Intendanten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind lediglich drei weiblich.“

Da die Noch-nicht-Quotenfrauen aber nicht nur gut im Rechnen, sondern noch besser im Kaffeesatzlesen sind, ist die Wurzel allen Übels schnell identifiziert. Schuld sind – wer hätte das geahnt – die Männer. Deren Lieblingsbeschäftigung besteht natürlich darin, all den hochqualifizierten Top-Journalistinnen da draußen den Zugang zu den Zirkeln der Macht zu versperren. So zumindest erklären sich die toughen Medienmacherinnen den akuten Frauenmangel in der Chefetage.

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Das Märchen vom bösen Online-Giganten

Es gibt Geschichten, die uns immer wieder begeistern. Enthüllungsberichte über Machenschaften von Politikern in dunklen Hinterzimmern, oder ebenso über Konzerne, die den kleinen Mann ordentlich ausbeuten und den Profit einstreichen. Also Konzerne wie Amazon. Der nämlich malträtiert seine Mitarbeiter, beutet sie aus, lässt sie von Neonazis bespitzeln und aus fernen Ländern wie Ware importieren. Das zumindest wollen knallharte und tapfere Reporter des HR unter Einsatz ihrer eigenen Sicherheit enthüllt haben, wobei das Gesamtkunstwerk unter dem Titel „Ausgeliefert!“ neulich in der ARD zu bestaunen war.

Ziemlich mies also, dieses Amazon. Gesammelte Wutbürger löschen deshalb dieser Tage reihenweise ihre Amazon-Konten, unterschreiben Petitionen und proben im Netz mutig den Widerstand gegen „Arbeitslager“ und „Sklavenarbeit“ innerhalb des US-Unternehmens. Fortgeschrittene hingegen, die es nicht beim Boykott belassen wollen, können mittlerweile auch bei „Zeit Online“ die „Zerschlagung“ des Unternehmens eruieren.

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Der verlorene Moralkompass der Claudia R.

Zu den kuriosesten Figuren, die das politische Ensemble der Grünen hervorgebracht hat, zählt zweifellos deren Bundesvorsitzende Claudia Roth. Ihr dabei zuzusehen, wie sie sich mit der ihr eigenen Empörungsgabe den Weg über das politische Parkett bahnt, entbehrt nicht eines gewissen Unterhaltungswerts. Ganz egal, ob es sich um Herrenwitze an der Bar, Neonazis in Dresden oder Schweine in Großmastanlagen dreht – Claudia schweigt nicht. Niemals. Erst recht nicht, wenn sie den Gegenstand der Empörung noch nicht ganz durchschaut hat.

Auch die Zustände im Iran lassen die „Reformhausvariante von Cindy aus Marzahn“ (Dirk Niebel) nicht kalt. Natürlich weiß sie, was die dort lebenden Menschen am dringendsten benötigen: nämlich ein Goethe-Institut. Eine schöne Idee, die zeigt, dass Claudia Roth selbst im Umgang mit Diktatoren ihren Sinn für Prioritäten bewahrt.

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Die Erbsenzähler vom Dienst

Was ist das doch aufregend! Die Sexismus-Debatte ist noch gar nicht richtig kalt, da steht schon wieder ein neues „Gate“ ins Haus. Annette Schavan löst Rainer Brüderle ab, das Plagiat ersetzt das Dirndl, nur die Empörung, die bleibt gleich. In diesem Fall sogar einigermaßen zu Recht. Denn natürlich gehört es sich nicht, fremde Ideen als die eigenen zu verkaufen und damit die Lorbeeren einzufahren. Nicht im Journalismus, nicht in der Kunst oder in der Literatur, und auch nicht in der akademischen Welt. Wobei es bei abgekupferten Doktorarbeiten noch ein bisschen anders ist. Sollte ein promovierter Politiker wirklich abgeschrieben haben, steht gleich die Wissenschaft, der Bildungsstandort Deutschland, das große Ganze auf dem Spiel. Heißt es.

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“suchmaschienen lassen sich nicht veraschen” - Der Kurator der Piraten auch nicht

Neuerdings gibt es in meinem Leben nicht nur ein Lieblings-MdB, sondern auch einen Lieblings-Redaktionsleiter. Zugeben:  In erster Linie macht er was mit Kunst, mittlerweile aber auch viel mit Medien. Denn als Kurator und „Künstlerischer Direktor“ einer Künstler-Gesellschaft liegt ihm viel daran, Kultur nicht nur zu fördern, sondern auch zu verbreiten. Dazu betreibt er als Redaktionsleiter ein „Kultur und Lifestyleportal“, das sich „als Dienst für die Anliegen der Kreativwirtschaft“ versteht.

Da mein Künstlerfreund allerdings viel beschäftigt ist, kommt er selbst weniger zum Schreiben und fördert stattdessen die Copy-Paste-Kultur. Sein Portal tapeziert er im Wesentlichen mit Agenturmeldungen, Bildern und Texten, die zuvor schon woanders erschienen sind. Auch einige meiner Texte, die oft zuerst auf Achgut online gingen, haben es ihm offenbar angetan. Und zwar so sehr, dass er vor lauter Begeisterung regelmäßig vergaß, meine Erlaubnis einzuholen, bevor er sie in voller Länge und meist ohne Quellenangabe in seinem Portal verwertete. Natürlich inklusive Fotos meiner selbst, die er zur Dekoration meiner Texte nutzte. Die wiederum beschaffte er sich aus meinen Facebook-Foto-Alben, die er wohl mit einem Selbstbedienungsladen verwechselt haben muss.

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Dirndl-Gate vs. Gruppenbild mit Diktator

 Wie wir als Deutsche und Anti-Sexisten vergaßen, den Bikini- und Juden-Verächter Mursi mit einem #aufschrei zu bedenken. 


Seit der FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle ein Downgrade zum „spitzen Kandidaten“ erfahren hat, müssen wir alle uns dringend fragen, ob Deutschland tatsächlich unter erhöhtem Sexismus leidet. Das Schöne an diesem Diskurs ist allerdings, dass nahezu jeder etwas dazu beitragen kann. Die Talkshow-Intelligentia debattiert über die Frage, ob frau sich traumatisierende Sprüche wie „Sie sind ja nicht nur hübsch, sondern auch noch intelligent“ gefallen lassen muss. Weitgehend unbekannte Bloggerinnen befördern sich indes zum Sprachrohr aller Frauen und wissen gar nicht mehr, wem sie zuerst ein Interview über das alltägliche Hinterhergepfeife auf deutschen Straßen geben sollen. Und auch Claudia Roth ist voll in Fahrt und findet: „Es reicht!“

Echte Vergewaltigungsopfer, ob mit oder ohne Migrationshintergrund, müssen dabei leider draußen bleiben. Zum Schluss könnten sie noch denjenigen Hauptstadtjournalistinnen die Show stehlen, die zwar nicht zwischen Petitessen und Sexualverbrechen unterscheiden können, dafür aber umso eindrucksvoller ihr Tagebuch ins Feuilleton übertragen. So ein „Tabubruch“ kommt schließlich auch nicht alle Tage.

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