Hurra, die Flüchtlingskrise finanziert sich von selbst!

Erfreuliches kam jüngst aus der Redaktion der Süddeutschen Zeitung: Die Flüchtlings-Causa belastet niemanden finanziell, ganz im Gegenteil. Sie finanziert sich sogar nahezu von selbst. Denn das dafür "investierte" Geld ist ja nicht weg. Es ist eben nur woanders. Zum Beispiel in den Portemonnaies der Asylsuchenden, die es wiederum ausgeben und so die Wirtschaft ankurbeln. Oder auf den Konten der neu eingestellten Lehrer und Polizisten, die ja ebenfalls einen Teil ihres vom Staat erhaltenen Einkommens in Form von Steuern wieder abgeben und somit der Allgemeinheit allem Anschein nach etwas Gutes tun. Der Original-Ton klingt dann so:


"Was die Neuankömmlinge an Taschengeld bekommen, geben sie großteils hierzulande wieder aus. Auch jeder zusätzliche Lehrer und Polizist, der eingestellt wird, bekommt ein Gehalt, das in Deutschland besteuert wird. Fachleute rechnen damit, dass die deutsche Wirtschaft wegen solcher Effekte 2016 etwa 0,5 Prozentpunkte schneller wächst, als es ohne Flüchtlinge der Fall gewesen wäre. Zur Einordnung: das macht ein reales Plus von 15 Milliarden Euro, von denen einige Milliarden an Steuern abgehen. Die Krise finanziert sich also zu einem Teil selbst."


Unabhängig davon, welcher Fachmensch welche Zahl für die allein seligmachende Zahl hält, stellen sich zwei Fragen: Was wäre nur aus all den Milliarden geworden, wenn sie nicht in die Taschen von Container-Produzenten, neu eingestellten Beamten oder auch nur in die Überschuss-Kasse Wolfang Schäubles geflossen wären? Wären all diejenigen, die es erwirtschaftet haben, damit womöglich ins Casino gegangen? Oder hätten sie es hinterher nur auf ihr Sparbuch buchen lassen, wo lukrative Nicht-Zinsen locken? Man weiß es nicht. Aber mit Sicherheit hätten sie niemals die 0.5 Prozentpunkte erwirtschaftet, die uns die Flüchtlingskrise nun beschert. Davon ist man überzeugt.

Und zum anderen: Woran liegt es eigentlich, dass der Hauptinvestor - nämlich vor allem der Steuerzahler, der weder als Polizist, Lehrer oder Prepaidkarten-Händler wirkt - in dieser Rechnung nicht vorkommt? Wie, der bekommt seinen Einsatz oder wenigstens Teile davon nicht zurück? Achso, klar, natürlich nicht. Aber das Investment ist ja wenigstens nicht weg. Nur woanders.

Vielleicht täte es der Debatte nicht schlecht, wenigstens Zahlen Zahlen sein zu lassen. Über eine Million Neubürger in einem Wohlfahrtstaat kosten etwas. Die Flüchtlinge / Schutzsuchenden / Migranten können nichts dafür, dass das so ist. Und vielleicht sollte sich die Kostenfrage überhaupt nicht stellen, wann immer es um real existierende Humanität gibt. Vielleicht haben wir es aber auch nur mit gefühlter Humanität zu tun, die mit einem freundlichen Gesicht serviert wird. Dann kann man sich beispielsweise die Frage stellen, inwiefern es sinnvoll ist, neben Bürgerkriegsflüchtlingen auch marokkanische Antänzer zu unterstützen.

Aber die beeindruckende David-Copperfieldiade, die immer dann aufgeführt wird, wenn es um die Kosten geht, ist nicht weniger verlogen als die Stilisierung jedes Flüchtlings zum Dr. med. Raketenwissenschaftler.

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